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Lotus Emeya 600 Sport SE – Renaissance einer Sportwagen-Ikone

Als Chefredaktor des Schweizer Online-Magazins für Politik & Automobil, ProudMag.com, hatte ich das Privileg, den vollelektrischen Lotus Emeya 600 Sport SE zu testen. Am Ende meiner fünftägigen Testfahrt war ich mehr als nur begeistert vom 612 PS starken Grand Tourer. Das Fahrzeug hat sich mir unversehens tief in meine Seele eingebrannt. Was ich auf meinen Fahrten erlebt habe, ist nicht nur ein Fahrgenuss und Fahrerlebnis par Excellence. Es ist vielmehr die Renaissance einer Sportwagen- und Formel-1 Ikone. Die nach zahlreichen Besitzerwechseln unter der Ägide des chinesischen Automobil-Herstellers Geely seine Wiederauferstehung feiert.

Der Name Lotus ist Automobil-Enthusiasten auf der ganzen Welt ein Begriff. Das Unternehmen Lotus Engineering Company, im Jahre 1952 vom genialen englischen Ingenieur, Designer und Erfinder Colin Chapman gegründet, trat mit grossem Erfolg in verschiedenen Rennserien an. So errang der Rennstall unter der Führung des Teamchefs Chapman in der Formel-1 sieben Mal den Konstrukteurs-Weltmeistertitel. Sechs Mal gelang es Lotus, in der Königsklasse des Automobil-Rennsports den Fahrer-Weltmeistertitel zu gewinnen. Das Erfolgsrezept des britischen Rennstalls lag im von Colin Chapman erfundenen, revolutionären Leichtbau-Prinzip. Verbunden mit weiteren raffinierten technischen Erfindungen gelang es Lotus, über Jahrzehnte hinweg Erfolge im Rennsport zu erzielen. Noch heute geniesst der Name Lotus bei Generationen von Motorsport-Begeisterten einen Kultstatus.

Seit dem Tod des Firmengründers Colin Chapman im Jahr 1982, hat das Unternehmen Lotus eine bewegte Geschichte durchlebt. Hat mehrere Besitzerwechsel überstanden. Seit 2017 gehört der Name Lotus zu 51 % dem chinesischen Unternehmen Geeley, zu dem mitunter auch die Premium-Automarken Volvo und Polestar gehören. Die restlichen Firmenanteile hält der malaysische Industriekonzern DRB-Hicom. Womit die Geschicke der einst legendären Marke aus dem Vereinigten Königreich heutzutage von flinken asiatischen Händen gelenkt werden.

Beeindruckende Fahrleistungen des Lotus Emeya 600 Sport SE

Die Fahrleistungen des allradgetriebenen Lotus Emeya 600 Sport SE sind beeindruckend. Die beiden Elektromotoren stellen eine Gesamtleistung von 450 kW / 612 PS zur Verfügung. Bei einem maximalen Drehmoment von 710 Nm. Den Sprint von 0-100 km/h bewältigt das Fahrzeug in 4.15 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 250 km/h. Das Leergewicht beträgt 2’555 Kg. Die 102 kWh Batterie wiegt 620 Kg. Je nach Fahrbetrieb beträgt die Reichweite zwischen 500-580 Kilometer. Der Basispreis liegt bei rund 122’000 Franken.

Das Schwestermodell Lotus Emeya 900 verfügt sogar über eine Gesamtleistung von 900 PS (675 kW) bei einem maximalen Drehmoment von 985 Nm. Damit beschleunigt der Elektrosportwagen von 0-100 km/h in 2.78 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 256 km/h. Die Reichweite beträgt maximal 485 Km. Der Basispreis beträgt rund 137’000 Franken.

Das puristisch-elegante Design des Lotus Emeya 600 Sport SE gefällt mir ausserordentlich gut

Das Design des sportlichen Grand Tourer gefällt mir ausserordentlich gut. Es ist genau diese hybride, reizvolle Mischung zwischen scheuer Zurückhaltung und chauvinistischem Selbstbewusstsein. Der Lotus ist schlicht und einfach wunderschön gezeichnet.

Was beim ersten Augenschein auffällt, ist das asketische Erscheinungsbild des viertürigen Lotus Emeya 600 Sport SE. Das Fahrzeug ist in Punkto Design äusserst puristisch gehalten. Ganz in schwarz und weiss gehalten, akzentuiert sich die sportive Prägung des GT-Fahrzeugs umso mehr. Der Wagen wirkt verspielt und gleichzeitig erwachsen. Elegant und zur selben Zeit sportlich. Die Frontpartei besticht durch die charakteristische Designsprache der Scheinwerfer. Sowie durch die kupierte, kantig gekrümmte Haube. Wuchtige Seitenflügel und grosse Lufteinlässe verweisen auf die aerodynamisch ausgerichtete Bauweise des Elektrofahrzeugs. Die markante, ganz in schwarz lackierte Front mit der schnittigen aktiven Frontlippe verleiht dem Lotus ein unverwechselbares Antlitz. Die Luftlippe steigert bei hohen Geschwindigkeiten den Abtrieb. Und verbessert
daneben das Handling sowie die Stabilität des Fahrzeugs.

Von der Seite betrachtet ist der tiefe, beinahe schon lauernde Stand des Lotus Emeya 600 Sport SE offensichtlich. Der Seitenschweller ist elegant ins Heck hinein gezogen. So als fliesse der Schweller nahtlos ins Heck über. Die in schwarz gehaltene Oberpartie des Fahrzeugs wirkt wie aufgesetzt. Gerade so als hätte sich die Kuppel eines Kampfjets mit dem Korpus eines Automobils verschmolzen. Die ausgefahrenen Türgriffe wirken harmonisch, wie kleine Flügel, die zu Zwecken der Aerodynamik während der Fahrt geräuschlos einfahren. Die ebenfalls in schwarz lackierten, tropfenförmigen Seitenspiegel sind – dem cW-Wert zugunsten, windschnittig ausgeformt. Trotzen der Luft schmeichelnd ihre Rigidität ab.

Die Bauteile und Kompositionen sind vom Rennsport inspiriert

Besonderen Gefallen finde ich an den wuchtig ausgestalteten 21-Zoll-Leichtmetallfelgen. Üblicherweise weisen Elektrofahrzeuge mehr oder minder ansehnliche, vollverkleidete Felgen auf. Jedoch nicht bei Lotus. Hier ist die Funktion ausnahmsweise der Form untergeordnet. Nicht der cW-Wert, sondern die Ästhetik stehen hier im Vordergrund. An den Felgen fände bestimmt auch Aiolos – der griechische Gott der Winde, sein Wohlbehagen. Das Design selbst hätte von Leonardo da Vinci stammen können. Zeichne mir eine Felge, die äusserst stylisch und sportlich ist, die jedoch gleichzeitig so wenige Luft-Turbulenzen wie nur möglich verursacht. So oder ähnlich hätte der Auftrag lauten können. Daraufhin würde das Universalgenie aus der Toskana wahrscheinlich mit “Missione compiuta” antworten.

Hinter den Felgen prangen wuchtige 6-Kolben-Karbon-Keramikbremsen. Wie allgemein in der Branche üblich verfügt auch der Lotus über ein System zur Rückgewinnung der Bremsenergie. Der Rekuperationsgrad wird über die Lenkradwippen angesteuert.

Das Heck des Lotus Emeya ist geprägt vom Heckspoiler und grossen Lüftungsöffnungen

An der Heckpartie des Lotus Emeya 600 Sport SE fällt mir unverzüglich der wie ein Flugzeug-Flügel gewundene, aktive beziehungsweise ausfahrbare Heckspoiler auf. Dieser erhöht den Anpressdruck auf die Hinterachse geschwindigkeitsabhängig um bis zu 215 Kg. Unterhalb befinden sich die filigranen LED-Rückleuchten. Die an einer – über die ganze Breite des Autos verlaufenden, Leiste prangen. Wirklich sehr schön gemacht. Jeweils an beiden Flanken befinden sich grosse Lüftungsöffnungen. Die Öffnungen lassen die Luft durch und um den Emeya herum
strömen. Dadurch wird die Batterie gekühlt. Gleichzeitig wird auch der
Luftwiderstand reduziert. Wodurch sich wiederum auch die Reichweite verbessert. Darüber hinaus erhöht das sogenannte Active-Aero-System bei hohen Geschwindigkeiten den Anpressdruck und damit verbunden die Stabilität. Die Heckschürze mündet direkt in den aktiven Heckdiffusor. Das vom Rennsport inspirierte Bauteil trägt zu den souveränen Fahreigenschaften des Wagens bei.

Der Innenraum des Lotus Emeya 600 Sport SE ist zukunftsweisend gestaltet und hochwertig verarbeitet

Kommen wir zum Innenraum des Lotus. Das Cockpit zeichnet sich vor allem in drei Punkten aus. Einerseits ist da dieses innovative und zukunftsgerichtete Ambiente. Andererseits überzeugt der Lotus mit einer Vielzahl von Individualisierungsmöglichkeiten. Zu guter letzt glänzt das Fahrzeug mit der luxuriösen und qualitativ hochwertig verarbeiteten Ausstattung. In diesem Punkt kann die Kundschaft zwischen einer Luxus, High-Tech oder einer besonders sportlichen Ausstattung wählen. In dieser Hinsicht bietet der Lotus Emeya 600 Sport SE viel Raum für die Individualität und den Ideenreichtum seiner Käuferschaft.

Das einladende Ambiente sorgt dafür, dass man sich gleich beim Einsteigen in einer modernen Atmosphäre wiederfindet. Sportliches Alcantara und gediegenes Nappa-Leder unterstreichen den gehobenen Anspruch des Grand Tourer. Was gleich sofort auffällt ist das ergonomisch gestaltete Armaturenbrett sowie das sportlich gehaltene Lederlenkrad mit den Funktionstasten für den raschen Zugriff auf die Fahreinstellungen. Besonders attraktiv wirkt der 15,1-Zoll grosse OLED-Touchscreen. Über das sich darauf befindliche Infotainment-System lassen sich alle relevanten Parameter auf intuitive Weise einstellen. Vom gewünschten Fahrmodus über die Sicherheitseinstellungen, das Beleuchtungsambiente, die belüfteten, 12-fach verstellbaren Ledersitze bis hin zur Klimaautomatik und das KEF-Sound-System.

Das Sound-System, das Glasdach und der Kofferraum sind echte Pluspunkte

Apropos Sound. Die Anlage mit Uni-Core-Lautsprecher-Technologie und Dolby Atmos 3D-Surround-Sound ist bloss eines der vielen Highlights im Lotus Emeya 600 Sport SE. Lautlos gleitet der Lotus über die Strassen. Aussengeräusche sind im Emeya kaum auszumachen. So gestaltet sich das Musik-Erlebnis dank den 23 im Fahrzeug verbauten Lautsprechern auf noch authentischere Weise. An dieser Stelle soll auch das intelligente Glasdach erwähnt werden. Die sich über das ganze Dach windende Glasfläche kann nach Belieben transparent oder undurchsichtig konfiguriert werden. Ein äusserst angenehmes und spielerisches Feature.

Ein weiterer Pluspunkt ist der geräumige Kofferraum. Dieser bietet mit einem Volumen von bis zu 509 Litern viel Platz für allerlei Gepäck. Im vorderen Frunk (Volumen: 31 Liter) können Ladekabel oder kleinere Taschen bequem verstaut werden. Premium-Ambiente pur, würde ich sagen!

Die Marke Lotus erlebt unter der neuen Eigentümerschaft eine wahre Renaissance

Wenden wir uns nun dem Fahrverhalten und dem Handling zu. In dieser Disziplin hat mich der Lotus ohne Wenn und Aber überzeugt. Besser noch. Ich bin regelrecht von den Fahreigenschaften des Lotus Emeya 600 Sport ES begeistert. Wenngleich der über 2,5 t schwere, elektrifizierte Emeya vom ursprünglichen Leichtbau-Gedanken à la Colin Chapman in beträchtlichem Masse abweicht, so ist das Fahrerlebnis trotzdem beträchtlich suchtgefährdend. Und wenn der Emeya die physikalischen Gesetze auch nicht aushebeln kann, so erscheint es doch, als könnte der Grand Tourer die Physik zumindest überlisten. Weil das Zusammenspannen von Fahrassistenz-Systemen, Fahrwerk, Reifen und Aerodynamik in der Summe ein fein abgestimmtes und äusserst sportives Automobil ergeben.

Die modernen Lotus Modelle von heute sind nun mal nicht mehr die hemdsärmeligen Autos von gestern und vorgestern. Es sind eigenständige Autos mit eigenständigen Charakteren. Anstatt von einem gescheiterten Wiederbelebungsversuch müssen wir statt dessen berechtigterweise von einer Renaissance der Marke Lotus sprechen. Meiner Meinung nach ist diese Wiedererweckung nicht nur gut, sondern ganz grossartig geraten. Die Geister mögen sich in dieser Hinsicht scheiden. Ich jedoch als E-Enthusiast finde, dass Lotus mitunter die emotionalsten, schönsten und dynamischsten Fahrzeuge im Portfolio hält, die zur Zeit auf dem europäischen Kontinent angeboten werden.

Die Agilität des Lotus Emeya 600 Sport ES ist ausserordentlich gut

So erlaubt die äusserst direkte und präzise Lenkung des Emeya 600 Sport ES, das 5,14 m lange, 2,2 m breite und 1,46 m hohe Fahrzeug jederzeit auf filigrane Art und Weise zu bewegen und zu kontrollieren. Damit ausgestattet lassen sich Kurven extrem genau ansteuern, Kurvenscheitel und Kurvenausgang ganz exakt durchfahren. Wobei die Rückmeldung an das Sportlenkrad einfach phänomenal ist. Durch den sehr tiefen Schwerpunkt – die Batterie ist nahe am Boden zwischen den Rädern positioniert worden, verhält sich das schwere Elektrofahrzeug ähnlich wie ein Leichtbau-Go-Kart. Durch den breiten Stand, das straffe Fahrwerk und den langen Ratstand sind rasche Lastwechsel nicht nur möglich. Die Dynamik, die dabei entsteht, ist einfach atemberaubend.

In Verbindung mit den Pirelli P Zero Reifen ergibt sich eine Performance, die sich sehen und bis in die Scheitelhaare spüren lässt. Beim harten Anbremsen ist auf die Bremsanlage Verlass. Scheinbar mühelos vernichtet das System die zuvor aufgebauten Kräfte. Und Junge, die Beschleunigung aus den Kurven heraus ist einfach betörend. Die Power von über 600 PS und über 700 Nm, gepaart mit dem souveränen Allradantrieb, den Mehrlenkerachsen und dem von den aktiven Spoilern erzeugten Anpressdruck, lassen zweifellos Rennsport-Feeling in reinster Form aufkommen.

Mit ein wichtiger Grund für die exzellenten fahrdynamischen Eigenschaften des Lotus ist mitunter die aktive Luftfederung mit der permanenten Dämpferkontrolle. Zug- und Druckstufe des Fahrwerks werden innerhalb von Millisekunden den gegebenen Umständen angepasst.
Die elektronisch gesteuerte Luftfederung, welche laut Lotus die Fahrbahn 1.000 Mal pro Sekunde
abtastet, sorgt nicht nur für die nötige Fahrdynamik sondern auch für ein sicheres und komfortables Fahrverhalten. Dabei kann der Fahrer die Fahrhöhe, die Härte der Luftfederung und auch das
Beschleunigungsverhalten individuell anpassen.

Lotus setzt bei der Rechenleistung auf einen Supercomputer von NVIDIA

Ermöglicht werden diese Eigenschaften durch einen Supercomputer, der auf der NVIDIA-DRIVE-Plattform basiert. Dieser Computer verfügt über eine Rechenleistung von bis zu 25 Billionen Operationen pro Sekunde. Daran gekoppelt sind mitunter auch die vier ausfahrbaren LiDAR’s, die sieben Acht-Megapixel-Kameras sowie die fünf Zwei- Megapixel-Kameras. Diese Vorrichtungen scannen die Umgebung in einem Radius von bis zu 200 Metern. Was selbst bei schlechten Lichtverhältnissen für Sicherheit sorgt. Damit ausgerüstet ist das automatisierte Fahren für den Lotus Emeya 600 Sport SE ein wahres Kinderspiel. Wovon ich mich gleich selbst überzeugt habe. So wird das Cruisen auf der Autobahn zum Entspannungsmoment. Die Sitze ein wenig zurückgeklappt, lässt sich so formidabel die Massage-Funktion testen. Oder es lässt einem die Freiheit, um sich im grossen Display eingehend mit all den Einstellungsoptionen zu beschäftigen. Und für vieles mehr, versteht sich.

Wenn nun die Batterie nach längeren Fahrten aufgeladen werden muss, so müssen sich Lotus Kundinnen und Kunden nicht auf elend lange Ladezeiten gefasst machen. Der Lotus Emeya 600 Sport SE kann an einem 400-kW-Schnellader in nur 14 Minuten von 10 auf 80 Prozent aufgeladen werden. Mit seiner 800-V-Batterietechnologie mit Advanced Lotus Hyper Charging gehört der Emeya zu den am schnellsten ladenden E-Fahrzeugen der Welt.