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Die Modernisierung vom Schwimmbad Lättich in Baar führt zwischen den Parteien zu einem erhöhten Wellengang. (Bild: Gemeinde Baar)

Streit um Schwimmbad Lättich führt zum erhöhten Wellengang

Vor kurzem hat das Schweizer Online-Magazin für Politik, ProudMag.com, die Vorwürfe der Schweizerischen Volkspartei (SVP) gegenüber dem Gemeinderat von Baar thematisiert. Wir haben darüber berichtet, wie der Streit um das Schwimmbad Lättich zum erhöhten Wellengang zwischen den Parteien führt. Hierbei geht es um die geplante Renovierung und Modernisierung des Frei- und Hallenbades. Die SVP wirft der Exekutive der 25’000 Einwohner-Gemeinde vor, eine Scheindemokratie zu betreiben. Und die Steuerzahlenden mit einem Luxus-Ausbau über Gebühr zu belasten. Nun nimmt die zuständige Gemeinderätin, Sonja Zeberg-Langenegger, Stellung zu den Vorwürfen.

Eine kurze Retrospektive. Im Rahmen der Renovierung und Modernisierung des Frei- und Hallenbades Lättich in Baar / Zug hatte der Gemeinderat die Bevölkerung dazu aufgerufen, sich über über eine Webseite oder mittels Zuschriften zum Projekt zu äussern. Die rund 25’000 Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde konnten das Vorhaben bewerten und eigene Vorschläge in Bezug auf die Modernisierung der Infrastruktur einbringen. Dabei kam offenbar zur Sprache, dass die beteiligten Personen den Wunsch nach einer Outdoor-Wellness-Anlage geäussert haben. Wie der Gemeinderat daraufhin in einer Medienmitteilung schrieb, soll das Anliegen bei der Planung der Modernisierung berücksichtigt werden. Rund 150 Personen haben an der Umfrage teilgenommen. Die Exekutive sprach von einem repräsentativen Votum.

Die SVP Baar wirft dem Gemeinderat den leichtsinnigen Umgang mit Steuergeldern vor

Dieses Vorgehen hat bei der Sektion Baar der Schweizerischen Volkspartei für Missmut gesorgt. Die SVP sprach von Scheindemokratie. Und von einer “Luxus-Wellness-Oase”, deren Betriebs- und Unterhaltskosten die Steuerzahlenden der Gemeinde unnötig belasten würde. Ausserdem stellt sich die Partei auf den Standpunkt, die Exekutivbehörde hätte vor diesem Entscheid die politischen Meinungsträger involvieren und zum Vorhaben befragen müssen.

Die zuständige Gemeinderätin Sonja Zeberg-Langenegger nimmt Stellung

Nun nimmt die für das Projekt verantwortliche Gemeinderätin Sonja Zeberg-Langenegger im Schweizer Online-Magazin für Politik, ProudMag.com, Stellung zu den Vorwürfen der SVP. Die Vorsteherin des Departements für Liegenschaften & Sport hat auf Anfrage des Magazins bestätigt, dass die Zahl der Teilnehmerschaft an der Umfrage nicht in der Medienmitteilung erwähnt wurde. “In der Mitteilung wurde aber auf den Mitwirkungsbericht verlinkt, in welchem diese Zahl offen kommuniziert worden ist.” Die Gemeinde Baar habe nie den Eindruck erweckt, respektive erwecken wollen, dass es sich um eine repräsentative Umfrage handelt, fährt die Gemeinderätin fort. Was die spärlichen Rückmeldungen angeht weist das Exekutivmitglied darauf hin, dass es sich bei der Befragung der Bevölkerung lediglich um ein Stimmungsbild gehandelt habe. “Nicht mehr, aber auch nicht weniger.” Punktum.

Die Resultate der Bevölkerungsumfrage sind für den Gemeinderat nicht verbindlich

Vom ProudMag.com nach der Verbindlichkeit der Meinungsäusserungen angesprochen, sagt die Vorsteherin des Departements Liegenschaften und Sport: “Es handelt sich nicht um einen verbindlichen Auftrag, sondern – wie geschildert, um ein Stimmungsbild.” Auch den Vorwurf der SVP an den Gemeinderat, die Exekutive würde eine Scheindemokratie inszenieren, lässt Sonja Zeberg-Langenegger nicht gelten. “Der Gemeinderat hat ein Stimmungsbild einholen wollen. Der Planungsprozess steht ganz am Anfang. Es ist kein Entscheid gefallen.” Und sie fährt fort: “Die verschiedenen Kommissionen, die Parteien und die Stimmbevölkerung werden in die nächsten Planungsschritte eingebunden, wie es in Baar gelebte politische Tradition ist.” Entscheiden werde am Ende der Souverän an der Urne. “Der Begriff «Scheindemokratie» ist deshalb nicht angebracht”, bekräftigt die FDP-Gemeinderätin.

Gemäss der zuständigen Gemeinderätin von Baar ist der Entscheid darüber, was im Schwimmbad Lättich genau realisiert werden soll, noch nicht gefallen. Das Projektteam habe zusammen mit dem Planungsteam das Raum-, Flächen- und Beckenprogramm entworfen. Um damit die Grundlage für eine Machbarkeitsstudie zu schaffen. In diesen Prozess seien sowohl die Baukommission wie auch die Turn- und Sportkommission involviert.

Die Abklärungen zum Outdoor-Warmwasser-Becken sind Teil der Machbarkeitsstudie

Die Rückmeldungen fliessen nun in das Arbeitsprogramm für die Machbarkeitsstudie ein, die der Gemeinderat zusammen mit den Planungsteams derzeit erarbeitet. Sonja Zeberg-Langenegger: “Wir möchten klären, was auf dem Areal des Schwimmbades möglich ist. Im Rahmen dieser Studie wird auch abgeklärt, ob und in welcher Form ein Wellness-Bereich gebaut werden könnte.” Der Entscheid darüber, welche Bauvorhaben endgültig in die Planung aufgenommen werden, und ob darunter auch das Outdoor-Warmwasser-Becken figuriert, soll nach Abschluss der Machbarkeitsstudie gefällt werden. “In Absprache mit den involvierten Kommissionen, der Schule sowie den Nutzenden”, präzisiert diese.

Die Kosten für die “Luxus-Wellness-Oase” können noch nicht beziffert werden

Die Schweizerische Volkspartei (SVP) spricht von einer “Luxus-Wellness-Oase”. Während dessen der Gemeinderat von Baar von einem Outdoor-Warmwasser-Becken spricht. Soweit die semantischen Unterschiede. Klar ist, dass die Kosten für das Zusatzangebot im Freibad Lättich noch nicht feststehen. Dazu die zuständige Vorsteherin des Departements Liegenschaften & Sport: “Ein mögliches Investitions-Volumen kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht beziffert werden. Dafür sind weitere Planungsschritte notwendig.” Auch die Unterhalts- und Betriebskosten für die Wellness-Anlage – die Sektion Baar der SVP spricht von einer ungebührlichen Belastung für die Steuerzahlenden, können aktuell nicht bemessen werden. Sonja Zeberg-Langenegger zum Vorbehalt der SVP: “Für Aussagen bezüglich dem Betriebsaufwand ist es zum jetzigen Zeitpunkt zu früh.”

Das Schwimmbad Lättich in Baar ist seit über 50 Jahren defizitär

Die Schweizerische Volkspartei moniert, dass etwaige Defizite der Bäder das Portemonnaie der Bürgerinnen und Bürger belasten werden. Das Lättich werde nach der Modernisierung in ein Defizit abgleiten, poltert die im Kanton Zug, gemessen an den Resultaten der nationalen Parlamentswahlen, mit Abstand wählerstärkste Partei. Auch diesen Vorhalt lässt die Gemeinderätin nicht auf sich sitzen. Sie erwidert: “Das Schwimmbad Lättich ist seit Betriebsbeginn vor über 50 Jahren defizitär. Allgemein ist festzuhalten, dass viele Bäder im Besitz der öffentlichen Hand kaum selbsttragend sind. Ein Wellness-Bereich könnte allenfalls das Defizit schmälern, wie Zahlen anderer Bäder zeigen.”

Mögliches Störmanöver der SVP in Hinsicht auf die bevorstehenden Kantonsratswahlen

Am 4. Oktober 2026 finden in Zug die Kantonsratswahlen statt. Während dessen die SVP bei den letzten National- und Ständeratswahlen im Jahr 2023 über 30 % der Stimmen für sich erobern und damit die beiden bürgerlichen Konkurrenten Die Mitte (Stimmenanteil: 24,9 %) und FDP (Stimmenanteil: 13 %) deutlich distanzieren konnte, sieht die Sitzverteilung im 80 Sitze zählenden Kantonsparlament nüchterner aus. Im Kantonsrat ist Die Mitte mit 19 Mandaten die stärkste politische Kraft. Dicht gefolgt von der FDP und der SVP mit jeweils 18 Sitzen. Daher wollte das Online-Magazin ProudMag.com von der FDP-Gemeinderätin Sonja Zeberg-Langenegger wissen, ob es sich bei den Vorwürfen aus den Reihen der SVP um ein politisch motiviertes Manöver handelt. Um damit ihre eigene Partei und die Partei von Gemeindepräsident Walter Lipp (Die Mitte) zu diskreditieren. Worauf die Freisinnige lakonisch antwortet: “Die Motivation bzw. die Beweggründe der SVP sind uns nicht bekannt.”

Vom Ausschluss der politischen Entscheidungsträger könne keine Rede sein

Die SVP moniert, dass die zukünftige strategische Ausrichtung der Bäder im Lättich nie Bestandteil einer breit abgestützten politischen Diskussion war. Und insinuiert damit, der Gemeinderat würde über die Köpfe der politischen Entscheidungsträger hinweg in Eigenregie handeln. Gegen diese Lesart wendet sich die Politikerin der Exekutive dezidiert. Indem diese anführt, dass der Prozess erst ganz am Anfang stehe. Und dass im Rahmen der Machbarkeitsstudie alle involvierten Kommissionen, die Nutzniesser sowie die Grundeigentümer ihre Anliegen zur Sprache bringen könnten.

Ein Sturm fegt über das Schwimmbad Lättich und führt zum erhöhten Wellengang

Wann die Planungsphase rund um die Modernisierung des Frei- und Hallenbades Lättich abgeschlossen sein wird, dazu kann der Gemeinderat von Baar keine Angaben machen. Auch wann das Bauvorhaben der Stimmbevölkerung zur Abstimmung vorgelegt wird, steht zum jetzigen Zeitpunkt nicht fest. Bleibt zu hoffen, dass sich die Wogen spätestens nach den Kantonsratswahlen im Herbst geglättet haben. Und die Modernisierung des Schwimmbades Lättich bis dann nicht mehr zum erhöhten Wellengang zwischen den Parteien in der ansonsten beschaulichen Stadt Baar führen mag.

Hier geht’s zum Mitwirkungsbericht der Gemeinde Baar zum Schwimmbad Lättich.

https://www.baar.ch

https://www.svp-zug.ch/