schweiz wölfe politik kantone wolf zahlen fakten ausbreitung verbreitung regulierung parlament
Der Tessiner Ständerat Fabio Regazzi (Mitte) will mit seiner Motion 25.4464 die Bestandsregulierung der Wolfspopulation in der Schweiz bürokratisch entflechten. (Bild: Parlamentsdienst)

Ständerat Regazzi will dem Wolf mit Pragmatismus begegnen

Seit der Einwanderung der ersten Wölfe in die Schweiz im Jahr 1995 ist die Wolfspopulation hierzulande auf rund 300 bis 350 Tiere angewachsen. Was vornehmlich in linken Kreisen zu romantischen Verzückungen führt, ruft mittlerweile in weiten Teilen des Landes die Bevölkerung auf den Plan. Einerseits sind es die vom Wolf verursachten Schäden, die für Kontroversen sorgen. Und es sind die immer näher an Siedlungsgebiete heranrückenden Wölfe, welche Konflikte hervorrufen. Für Ärger sorgen ausserdem bürokratische Hürden, die im Land der Eidgenossen pragmatisches und rasches Handeln verzögern. Mit seiner Motion trägt der Tessiner Ständerat Fabio Regazzi diesen Umständen Rechnung. Im Interview mit dem Schweizer Online-Magazin für Politik, ProudMag.com, erklärt er, mit welchen Rezepten er der schwierigen Situation begegnen will.

In der Schweiz leben heute zwischen 300 und 350 Wölfe und rund 40 Wolfsrudel. Das erste Wolfsrudel hat sich 2012 in Graubünden formiert. Seit der Einwanderung der Wölfe im Jahr 1995 haben sich die Raubtiere rapide vermehrt. Mittlerweile leben die Tiere nachweislich in den acht Kantonen Graubünden, Tessin, Wallis, Waadt, St.Gallen, Glarus, Schwyz und Obwalden. Sichtungen von Wölfen sind abgesehen davon in beinahe allen Kantonen gemeldet worden. Die rasante Verbreitung der Wolfspopulationen im Alpenland Schweiz hat dann auch dazu geführt, dass die Kantone vor einigen Jahren damit begonnen haben, die Bestände über Abschüsse zu regulieren. Nicht zuletzt auf Druck der Bevölkerung und der Landwirte hin.

Die Anzahl Wolfsrisse lag Anfangs zwischen 100-500 Tiere jährlich. Im Rekordjahr 2022 waren es knapp 1’800 Risse. Seit 2020 haben sich die Angriffe von Wölfen auf Nutztiere trotz den aufwändigen Schutzmassnahmen alle drei Jahre verdoppelt. Bedingt durch das schnelle Wachstum der Wolfspopulation kommt es immer öfters zu Begegnungen mit Wölfen in dicht besiedelten Gebieten. Damit sind Konflikte vorprogrammiert. Derweil werden die Rufe nach Abschüssen immer lauter.

Beim Thema Wolf hallt das Wiehern des Amtsschimmels über die Schweizer Täler, Wälder und Wiesen

Mitten in das archaische Wolfsgeheul bricht das durchdringende Wiehern des helvetische Amtsschimmels herein. Denn, kommt es zu einem Wolfsriss, so setzt sich eine ganze bürokratische Maschinerie in Gang. Und wo kantonale Amtsstellen sowie Bundesämter involviert sind, da ist auch das bürokratische Pferdegetrappel nicht weit. Umfangreiche Abklärungen sind nötig, wenn in der Schweiz ein Wolf ein Nutztier oder gleich mehrere Tiere angreift. In einem solchen Fall muss der kantonale Wildhüter respektive Wildtier-Beauftragte verständigt werden. Oder die Jagdaufsicht bläst zum Halali. Je nach Kanton ist auch die regionale Fachstelle für Grossraubtiere involviert. Schlussendlich geht es darum, vor Ort Beweise zu sichern.

Bis zu einer Abschussbewilligung des BAFU dauert es oftmals viele Wochen

Spuren am Kadaver, Fährten, Kot und Haare müssen analysiert werden. Und biologisches Material für umfangreiche DNA-Untersuchungen wird akribisch eingesammelt. Weil festgestellt werden muss, ob es sich tatsächlich um einen Wolfsangriff handelt. Dazu muss alles minuziös fotografiert und dokumentiert werden. Die Stromspannung an Elektrozäunen muss kontrolliert und protokolliert werden. Verletzte Tiere werden von Veterinären versorgt oder getötet. Auch die Fragen, inwiefern die Herdenschutzhunde genügend effektiv waren und ob die Tiere während der Nacht in einem raubtiersicheren Gehege untergebracht waren, muss geklärt werden.

wolfspopulation schweiz schäden risse abschüsse abschuss wolf wölfe rudel kantone
Aktuell leben zwischen 300 und 350 Wölfe in der Schweiz. (Bild: chwolf.org)

Ein Rissbericht wird erstellt und es wird abgeklärt, ob die notwendigen Voraussetzung für eine Entschädigung durch Bund und Kantone gegeben sind. Gerissene Nutztiere müssen anschliessend gemäss den kantonalen Vorschriften entsorgt werden. Fachpersonen, Berater und Assistenten klären in ihren Amtsstuben ab, inwiefern der Schutz der Nutztiere verbessert werden kann respektive muss.

Die Aufsicht über das ganze Treiben haben die im betroffenen Kanton zuständigen Departemente. Und beim Bund wacht das Bundesamt für Umwelt (BAFU) mit Argusaugen über all das Geschehen. Doch damit nicht genug. Gegen Ende tritt wiederum der Kanton auf die Bühne. Denn falls ein Wolf geschossen werden muss, weil die Dichte der Wolfspopulation oder die Schäden durch ein einziges Exemplar schlicht zu hoch sind, muss der Kanton beim BAFU eine Abschussbewilligung beantragen. Berichte werden erstellt, Aktenberge werden angehäuft, Köpfe rauchen, Kaffeemaschinen laufen heiss … Und Wochen später entscheidet das Bundesamt, ob es Isegrim nun an den Pelz geht oder eben nicht.

Der Tessiner Mitte-Ständerat Fabio Regazzi ist angetreten um Ordnung in das Chaos zu bringen

An dieser Stelle tritt die Motion 25.4464 (Einführung einer Gesetzesgrundlage für den regulierten Abschuss von Wölfen bei Überschreitung eines vordefinierten Schwellenwerts) des Tessiner Ständerats Fabio Regazzi (Mitte) auf den Plan. Der Ständerat hat seine Motion am 19. März 2026 angenommen. Wie das UREK auf Anfrage mitgeteilt hat, behandelt die Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Nationalrates (UREK-N) die Motion spätestens im 3. Quartal 2026. Danach geht die Vorlage zur Beratung in den Nationalrat.

Als Parlamentarier sah er sich dazu veranlasst, in Anbetracht der schnell wachsenden Wolfspopulation, Ordnung in die bürokratischen Abläufe zu bringen. Nunmehr bereits zum zweiten Mal, “nota bene”. Denn schon vor rund vier Jahren ist der Rechtsanwalt und Unternehmer mit einem parlamentarischen Vorstoss in das Territorium der Schweizer Wölfe eingedrungen. Seine Motion 22.3477 (Weniger Bürokratie und wirksamere Massnahmen zum Schutz vor Wolfsschäden in der Schweiz), die er am 11. Mai 2022 eingereicht hat, ist am 17. April 2024 vom Nationalrat mit 95 Ja- zu 83 Nein-Stimmen und am 03. Dezember 2024 vom Ständerat mit 31 zu 12 Gegenstimmen angenommen worden.

Als Einheimischer kennt der Unternehmer Regazzi die Anliegen der Tessiner Bevölkerung

Der Unternehmer Regazzi führt in Gordola/TI das Familienunternehmen Regazzi Holding SA mit 150 Mitarbeitenden in der dritten Generation. Er ist im Kanton Tessin zeitlebens tief verwurzelt. Der Ständerat, der auch als Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbands (SGV) amtet, kennt seinen Heimatkanton aus der Perspektive eines Einheimischen. Mit seinen Motionen trägt er den Interessen und Sorgen der Tessiner Bevölkerung Rechnung. Die Verbreitung des Wolfes im Ticino und die damit verbundenen Konflikte sind seit Jahren ein mitunter emotionales Thema und haben ihn dazu bewogen, sich in dieser Angelegenheit zu engagieren.

ProudMag.com: Herr Ständerat Regazzi, wie präsentiert sich aktuell die Wolfssituation im Kanton Tessin?

Fabio Regazzi: Die Entwicklung der Wolfspopulation im Tessin ist besorgniserregend. So wie auch in anderen Teilen der Schweiz. Der Wolf ist mittlerweile nicht nur in den Berggebieten sondern immer mehr auch in den städtischen Agglomerationen anzutreffen. Und das (Wolfs-)Problem verschärft sich weiter. Zur Wolfspopulation im Tessin kann ich bloss eine Schätzung anstellen. Es sind meines Wissens nach etwa 40 Tiere und bis zu 8 Wolfsrudel.

ProudMag.com: Sie schreiben in Ihrer Motion, dass Sie um die Sicherheit der Menschen besorgt sind Welche Reaktionen haben Sie aus der Tessiner Bevölkerung erhalten?

Fabio Regazzi: In den landwirtschaftlich genutzten Tälern und Ortschaften machen sich die Bauern sowie die Züchter von Schafen und Ziegen grosse Sorgen. Viele Betreibe haben schon geschlossen und andere Bergbauern haben schon angekündigt, dass Sie ihrem Beruf aufgeben müssen, wenn es mit der Wolfspopulation so weiter gehe. Weil es unter diesen Bedingungen unmöglich sei zu arbeiten. Und das ist aus meiner Sicht wirklich ein Problem. Grundsätzlich haben die Leute im Kanton Tessin zunehmend Angst. Die Wölfe kommen immer näher an die besiedelten Gebiete und damit an die einheimische Bevölkerung heran.

Der Tessiner Fabio Regazzi fordert eine Entbürokratisierung bei der Dezimierung der Wolfspopulation in der Schweiz

Es ist klar, dass sich niemand wohl dabei fühlt, wenn sich ein Wolf oder sogar ein ganzes Wolfsrudel in der unmittelbaren Umgebung herumtreiben. Es geht hier um die Sicherheit der Bevölkerung, von Erwachsenen und vor allem von Kindern. Ich befürchte, dass es bloss eine Frage der Zeit ist, bis etwas passiert. Dieser Gefahr müssen wir uns bewusst sein. Auch unsere Gäste im Tessin laufen Gefahr, mit Wölfen in Konflikt zu geraten. Es geht demnach auch um die Sicherheit der vielen Touristen, die hier im Ticino ihre Ferien verbringen. Es geht um Menschen, die in unseren Tälern und Wäldern spazieren und in den Bergen wandern.

ProudMag.com: Sie erwähnen in Ihrer Motion explizit, dass Sie den Wolf nicht ausrotten wollen. Stattdessen fordern Sie eine effiziente und unbürokratische Regulierung. Wo sehen Sie momentan noch die grössten bürokratischen Hürden?

Fabio Regazzi: Schauen wir doch einmal in die heutige Praxis. Wenn ein Wolf mutmasslich einen Schaden an einem Nutztier verursacht, dann ist das sofort mit bürokratischem Aufwand verbunden. Erstens muss der Beweis erbracht werden, dass es sich um einen Wolf handelt. Dazu braucht es aufwändige genetische Untersuchungen. Wenn dann die DNA-Untersuchung abgeschlossen ist und erwiesenermassen ein Wolf-Riss vorliegt, muss der Kanton beim Bundesamt für Umwelt (BAFU) die Abschussbewilligung beantragen.

Während dessen läuft die Zeit. Dann kommt ein zweites Problem: betroffenen Landwirte müssen für den Verlust ihrer Tiere entschädigt werden. Und das BAFU wiederum muss jeweils prüfen, ob die Schutzmassnahmen ausreichen oder ob Verbesserungen indiziert sind. Diese ganzen Prozesse nehmen einfach zu viel Zeit in Anspruch. Hier herrscht definitiv viel zu viel Bürokratie. Alles ist unnötig kompliziert. In der Regel dauert das Ganze mehrere Wochen, wenn nicht Monate. Dabei müssen wir rasch reagieren können. Wölfe warten bekanntlich nicht auf die Behörden.

Der Verwaltungsapparat verhindert oftmals pragmatische Lösungen

ProudMag.com: Vor vier Jahren haben Sie bereits einmal eine Motion im Parlament eingereicht. Mit dem Ziel, die Regulierung der Wolfspopulation zu entbürokratisieren. Seitdem ist nicht viel geschehen. Woran liegt’s?

Fabio Regazzi: Ja, tatsächlich. Es ist hin und wieder schon frustrierend. Da reicht man eine Motion ein, aber anschliessend fehlt es an der Umsetzung. Auf der einen Seite sind wir Politiker Schuld an der raschen Ausbreitung des Wolfes. Weil wir bis heute nicht in der Lage waren, die Herausforderung zu bewältigen. Wir waren zu passiv und wir haben zu lange gezögert. Nun spüren wir die Folgen davon. Eine Motion umsetzen müssen die dafür zuständigen Büros und Ämter. Oft ignorieren sie aber einfach die Entscheide des Parlaments. Oder sie setzen die Beschlüsse des Parlaments nicht so um, wie es die Räte eigentlich beabsichtigt haben.

Für mich als Parlamentarier ist es schwierig, mich in diese Prozesse einzubringen oder einzumischen. Und es ist schwierig zu eruieren, ob nun auch tatsächlich etwas unternommen wird. Leider hat die Verwaltung – und das gilt nicht nur im Kontext meiner Motion, eine sehr grosse Macht gegenüber dem Bundesrat und dem Parlament. Weil die Verwaltung die Möglichkeit hat, Geschäfte zu verzögern oder zu steuern. Je nachdem, wie es gerade am bequemsten ist. Auch wenn es mühsam ist: Ich habe einen harten Kopf, bleibe an der Sache dran und ich gebe weder nach noch gebe ich auf. E basta!

Ständerat Fabio Regazzi möchte den Kantonen mehr Autonomie zugestehen

ProudMag.com: Heute sind der Bund und die Kantone bei der Bewältigung von Wolfsschäden und der Erteilung von Abschussbewilligungen involviert. Wäre es nicht sinnvoller, wenn die Kantone autonom darüber entscheiden könnten?

Fabio Regazzi: Das ist genau eine der Ziele meiner Motion. Sinn und Zweck meiner Motion ist, dass hier ein Paradigmenwechsel statt findet. Bis jetzt haben wir nämlich nur reaktiv auf die Zustände reagiert. Was bedeutet, dass wir nur dann aktiv werden, wenn es zu Wolfs-Rissen kommt. Oder wenn ein Wolf eine akute Gefahr darstellt. Meine Motion will hier das schwedische Modell anwenden. Wir müssen in Zukunft die maximale Anzahl von Einzeltieren und Wolfs-Rudel für ein gewisses Gebiet definieren. Und sobald diese Grenzen überschritten werden, können die Kantone direkt – ohne dass das Bundesstellen mit einbezogen werden, direkt handeln.

Die Kantone brauchen mehr Spielraum respektive Autonomie um den Bestand einer Wolfspopulation rasch und unbürokratisch regeln zu können. Klar ist, der Wolf bleibt eine geschützte Art. Aber die Schweiz sollte als föderalistisches Land darauf vertrauen, dass die Kantone ihren Spielraum angemessen nutzen und nicht missbrauchen. Die Kantone kennen die Realität besser, und können darum auch bessere Entscheidungen treffen. Dafür benötigen wir keine Verfassungsänderung. Es müssen lediglich bestehende Gesetze geändert werden. Wenn wir das nicht angehen, verlieren wir auch weiterhin viel zu viel Zeit. Daher müssen wir jetzt den Mut dazu haben, diesen Paradigmenwechsel herbeizuführen.

Der Bundesrat hat erkannt, dass bei der Regulierung der Wolfspopulation dringender Handlungsbedarf besteht

ProudMag.com: Glauben Sie, dass der Bundesrat auf Ihr Anliegen eingehen wird? Und dass der Bund dazu bereit ist, den Kantonen beim Thema Wolf mehr Kompetenzen einzuräumen?

Fabio Regazzi: Ja, auf jeden Fall! Bundesrat Albert Rösti hat als Vorsteher des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK in dieser Sache bereits Mut bewiesen. Dass er als Bundesrat meine Motion unterstützt und zur Annahme empfiehlt, ist wahrlich nicht selbstverständlich. Ich bin Herrn Rösti dafür sehr dankbar. Er hat erkannt, dass das heutige System einfach ineffizient ist. Dass die Situation nicht mehr unter Kontrolle ist und deshalb dringend etwas dagegen unternommen werden muss.

ProudMag.com: Vor einigen Tagen hat der Ständerat Ihre Motion angenommen. In der kleinen Kammer haben die bürgerlichen Parteien mit 34 Sitzen de facto eine Dreiviertel-Mehrheit. Hatten Sie mit Ihrer Motion im Ständerat ein leichtes Spiel?

Fabio Regazzi: Wir müssen die Situation differenziert betrachten. Im Ständerat ist die Motion ohne Gegenstimmen angenommen worden. Dort hat niemand dagegen opponiert, was trotz der Mehrheit der Bürgerlichen bemerkenswert ist. Ich muss eingestehen, dass ich überrascht war. Weil ich mich auf einen harten Kampf vorbereitet hatte. Zu meiner Überraschung gab es praktisch keine Opposition. Es gab hingegen nur Wortmeldungen von Leuten, die mich unterstützt haben. Aber keine Widerworte seitens der Ratslinken.

Die Chancen, dass auch der Nationalrat der Motion zustimmt, sind sehr gut

ProudMag.com: Im Nationalrat stehen den 125 bürgerlichen Parlamentarierinnen und Parlamentarier deren 75 linke Volksvertreterinnen und Volksvertreter gegenüber. Dort wartet kein gemütlicher “Spaziergang im Wald” auf Sie. Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?

Fabio Regazzi: Im Nationalrat wird es ganz bestimmt Gegenwind geben. Davon gehe ich stark aus. Trotzdem bin ich zuversichtlich. Basierend auf meinen Berechnungen sollten wir eine Mehrheit erreichen. Ich rechne auf jeden Fall damit, dass die SVP einstimmig für die Motion stimmen wird. Umso mehr, weil Bundesrat Albert Rösti meinen Vorstoss zur Annahme empfiehlt. In meiner Mitte-Fraktion gehe ich von einer grossen Mehrheit aus. Und ich denke – und vor allem hoffe ich, dass auch die Mehrheit der FDP-Fraktion meiner Motion zustimmen wird.

Was mich auch optimistisch stimmt ist der Umstand, dass der Nationalrat während der vergangenen Session mit den beiden Motionen von Pascal Broulis (FDP/VD) und Esther Friedli (SVP/SG) gleich zwei Vorstösse zum Thema “Problemwölfe” gutgeheissen hat. Ausserdem hat Alex Farinelli (FDP/TI) im Rat eine Zwillings-Motion eingereicht. Er sollte in der Lage sein, einen überwiegenden Teil der FDP-Fraktion davon zu überzeugen, meiner Motion zuzustimmen. Was ich zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht will, ist – wie wir im Tessin sagen “vendere la pelle dell’orso prima di averlo ucciso”. Aber ich bin zuversichtlich, dass am Ende auch im Nationalrat eine komfortable Mehrheit zustande kommt.

Regazzi stellt sich den Linken im Nationalrat kämpferisch entgegen

ProudMag.com: Mit dem Abschuss von Wölfen sprechen Sie ein sehr emotionales Thema an. Damit riskieren Sie sich gegenüber denen dem Wolf sehr wohlgesinnten Linken stark zu exponieren. Wie glauben Sie werden die rot-grünen Parteien im Nationalrat reagieren?

Fabio Regazzi: Naja, das ist einfach mein Stil zu politisieren. Erstens habe ich eine gewisse Erfahrung und zweitens habe ich eine dicke Haut. Ich kann mit Widerständen sehr gut leben und ich bin es gewohnt zu kämpfen. Zudem habe ich keine Hemmungen, meine Meinung klar und deutlich zu vertreten. Auch wenn meine Meinung zum Thema Wölfe in der Schweiz durchaus sehr kontrovers ist. So geschieht es hin und wieder, dass ich im Parlament eine gegensätzliche Meinung vertrete. Auch meiner eigenen Fraktion gegenüber. Die Links-Parteien werden im Nationalrat meinen Vorstoss sicher bekämpfen, aber ich spüre, dass in diesem Thema der Wind sich auch in der Bevölkerung gedreht hat.

Als Parlamentarier bin ich nicht nur meiner Partei gegenüber in der Pflicht, sondern ich bin auch meinem Gewissen verpflichtet. Damit bewahre ich meine Kohärenz. Man kann mir bestimmt viel vorwerfen, aber nicht, dass ich nicht in meiner Meinung kohärent wäre. Dabei steht die Kohärenz nicht bloss in meiner Funktion als Politiker im Vordergrund. Auch im meinem Leben weit abseits von Bern steht die Kohärenz stets im Vordergrund. Politik ist allgemein kein Beliebtheitswettbewerb. Sondern wir Politiker sind da, um zu debattieren. Um uns miteinander auseinander zu setzen. Wenn ich dazu nicht bereit wäre, so wäre ich im Parlament am falschen Ort.