Manuel Cadonau: “Joung Gustav zu canceln ist antidemokratisch”

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Der Jungpolitiker Manuel Cadonau (SVP/SG) stellt sich hinter den als Young Gustav bekannter Social-Media-Influencer. (Bild zVg)

Im Interview mit dem Schweizer Online-Magazin für Politik, ProudMag.com, stellt sich der Jungpolitiker Manuel Cadonau (SVP/SG) demonstrativ hinter den Social-Media-Influencer Joung Gustav. Er verurteilt den Entscheid von Coop und Migros, sein Vitaminwasser Vyte aus den Regalen zu verbannen, aufs Schärfste. Joung Gustav zu canceln sei zutiefst antidemokratisch, postuliert Cadonau. Der Influencer habe in seinem TikTok-Video zurecht auf die negativen Folgen der Migration und die Missstände im Asylwesen hingewiesen, meint der SVP-Politiker. In der Strafaktion der beiden Grossverteiler sieht Cadonau einen perfiden Einschüchterungsversuch. Sowie eine grobe Missachtung demokratischer Regeln. Migros und Coop hätten die Meinungsfreiheit von Joung Gustav in vorausseilendem Gehorsam verletzt. Um sich beizeiten vor einem drohenden “woken Shitstorm” in den Schützengraben zurückzuziehen.

Manuel Cadonau: Er ist mir sympathisch, weil er ruhig und ohne grosse Emotionen ein ehrliches Statement abgegeben hat. Mein erster Gedanke war: Er spricht ein reales Problem an, das viele Menschen beschäftigt, aber öffentlich oft nur sehr gefiltert diskutiert wird. Er sagt ja selbst: „Der Grundgedanke, Schutzsuchenden zu helfen, ist etwas Schönes.“ Das zeigt, dass es ihm nicht darum geht, Hilfe grundsätzlich abzulehnen. Er verbindet das mit sachlicher Kritik und bringt Zahlen und Fakten ein. So etwas muss eine Demokratie wie die Schweiz aushalten können. Man muss nicht jede Formulierung teilen. Aber es muss möglich sein, Probleme offen anzusprechen, ohne dass jemand dafür persönlich, beruflich oder als Unternehmer öffentlich gecancelt wird.

In einer direkten Demokratie muss es möglich sein, die Folgen der Migration offen zu benennen

Cadonau: Problematisch ist nicht, dass man diese Themen anspricht. Problematisch ist, dass man sie in der Schweiz mittlerweile nur noch unter moralischem Dauerverdacht ansprechen darf. Wer auf überdurchschnittliche Kriminalitätsraten, fehlende Integration oder eine stetig steigende Zuwanderung hinweist, benennt einfach reale Entwicklungen. Das sind keine Gefühle, sondern Fakten. Und Fakten müssen diskutiert werden dürfen – ohne dass man sofort in eine Ecke gestellt wird. Wir sind ein Rechtsstaat und eine direkte Demokratie. Nochmals, in einem solchen System muss es möglich sein, die Folgen der Migration offen zu benennen – auch wenn sie unbequem sind.

Die Cancel-Culture verweigert eine sachliche Auseinandersetzung

Wenn jede kritische Stimme reflexartig moralisch diskreditiert oder gleich gecancelt wird, hat das mit demokratischer Debattenkultur nichts mehr zu tun. Und eines sage ich klar: Kritik an der Asylpolitik ist keine Kritik an Menschen. Es geht nicht um Herkunft, sondern um Ordnung, Sicherheit und die Belastbarkeit unseres Systems. Wer das nicht mehr unterscheiden will, verweigert die sachliche Auseinandersetzung.

Cadonau: Ich sehe drei zentrale Herausforderungen: 

  • 1. Kontrolle und Glaubwürdigkeit des Systems: Wer wirklich schutzbedürftig ist, soll Schutz erhalten. Wer kein Aufenthaltsrecht hat, muss das Land konsequent wieder verlassen.
  • 2. Integration statt Parallelgesellschaften: Integration ist eine Bringschuld – nicht nur des Staates, sondern auch derjenigen, die hier leben wollen. Sie braucht Sprache, Respekt vor unseren Regeln und den Willen, sich einzubringen.
  • 3. Belastung für Gemeinden und Bevölkerung: Schulen, Sicherheit, Sozialwerke und Wohnraum stehen unter Druck. Das kann man nicht ewig schönreden.

Handlungsbedarf besteht vor allem bei konsequenter Rückführung, klaren Verfahren, Begrenzung der Zuwanderung ins Sozialsystem und Schutz der inneren Sicherheit.

Wer wie Joung Gustav eine unbequeme Position vertritt, wird gecancelt

Cadonau: Der Fall ist exemplarisch für eine bedenkliche Entwicklung in der Schweiz. Wenn ein marktbeherrschender Konzern wie die Migros – eine Genossenschaft, die eigentlich den Mitgliedern verpflichtet ist – beginnt, unbequeme Meinungen wirtschaftlich zu sanktionieren, dann stellt sich eine grundsätzliche Frage zur Meinungsfreiheit im öffentlichen Raum. Es geht darum, dass nicht argumentiert, sondern moralisch markiert wird. Nicht widerlegt, sondern wirtschaftlich bestraft.

Wer eine unbequeme Position vertritt, wird weggecancelt. Das betrifft nicht nur Joung Gustav. Das betrifft jeden, der öffentlich eine bürgerliche oder migrationskritische Haltung äussert. Und die Tendenz geht weiter: Wer beruflich nicht im ideologischen Gleichschritt mit seinem Vorgesetzten oder Umfeld marschiert, muss zunehmend mit Konsequenzen rechnen. Eine solche Entwicklung ist für ein demokratisches Land wie die Schweiz höchst problematisch. Demokratie lebt vom offenen Diskurs – nicht von Konformitätsdruck und wirtschaftlicher Einschüchterung.

Cadonau: Ich unterstütze nicht automatisch jede Aussage oder jede Zuspitzung. Ich unterstütze das Prinzip, dass man über zentrale politische Fragen frei sprechen darf – ohne beruflich vernichtet zu werden. Wenn jemand wegen einer zulässigen politischen Meinung öffentlich abgestraft wird, dann geht es nicht mehr nur um die Person, sondern um das Signal an alle anderen: „Sag besser nichts, sonst bist du der Nächste.“ oder eben “bis links oder bis ruhig” Genau dagegen stelle ich mich.

Migros und Coop handeln im vorauseilenden Gehorsam

Cadonau: Rechtlich ist klar: Private Unternehmen können Kooperationen beenden. Das bestreite ich nicht. Aber wenn nach der Migros auch Coop praktisch im Gleichschritt nachzieht, dann wirkt das nicht wie eine eigenständige Entscheidung, sondern wie vorauseilender Gehorsam. Der Eindruck entsteht, dass man Angst hat, selbst zur Zielscheibe eines woken Shitstorms zu werden – und dadurch Umsatzverluste zu riskieren.

Man sieht international, wohin diese Entwicklung führt: Unternehmen oder Filmproduktionen geraten wegen einzelner Aussagen oder Details unter massiven öffentlichen Druck. Nicht selten entsteht ein digitaler Mob, der wirtschaftlichen Schaden bewusst in Kauf nimmt. Diese Dynamik ist problematisch – und sie wird durch mediale Empörungsspiralen zusätzlich verstärkt. Die eigentliche Frage ist deshalb eine grundsätzliche: Was sagt das über unser gesellschaftliches Klima aus? 

Wenn Unternehmen auf bürgerliche oder migrationskritische Meinungen äusserst empfindlich reagieren, während andere politische Positionen problemlos toleriert werden, entsteht der Eindruck einer ideologischen Schieflage. Natürlich ist es ihr gutes Recht, so zu handeln. Aber es ist genauso das gute Recht der Konsumentinnen und Konsumenten, dieses Verhalten kritisch zu hinterfragen – und daraus ihre Konsequenzen zu ziehen.

Das eigentliche Problem ist der Konformitätsdruck

Cadonau: Das Problem ist nicht nur ein Einzelfall, sondern der Konformitätsdruck, der dadurch entsteht. Wenn wirtschaftliche Partnerschaften davon abhängen, ob jemand politisch ins gewünschte Meinungsspektrum passt, dann wird Meinungsfreiheit faktisch eingeschränkt – auch wenn sie formal weiter besteht. Wie gesagt, in einer direkten Demokratie ist das besonders gefährlich. Wir leben davon, dass auch unbequeme Positionen ausgesprochen werden dürfen und müssen.

Cadonau: Wirklich, das habe ich gar nicht mitbekommen “lach”. Solche Begriffe werden heute oft benutzt, um Diskussionen abzuwürgen, statt sie wirklich zu führen. Ich nehme Kritik ernst – aber nur, wenn sie argumentativ ist. Pauschale Etiketten sind meist ein Zeichen dafür, dass jemand gar nicht auf den Inhalt eingehen will. Wer jede sachliche Kritik an der Asylpolitik automatisch als „Rassismus“ abstempelt, entwertet den Begriff und blockiert jede ernsthafte Debatte. Ich bin gegen solche Angriffe abgestumpft: Sie berühren mich nicht, und ich verschwende keine Energie darauf, sie zu füttern.

Wer ein gutes Argument bringt – egal von wem – bekommt von mir eine Antwort, vorausgesetzt es ist kein Troll-Account. Ich bin auf X, um zu diskutieren und mit Menschen über verschiedene Themen und Meinungen zu sprechen. Mich interessiert, was andere denken, wie sie darüber denken und warum. Nur so entsteht eine echte Auseinandersetzung – nicht durch moralische Brandmarkungen.

Legitime politische Positionen moralisch zu kriminalisieren ist einer demokratischen Streitkultur unwürdig

Cadonau: Nein, das bin ich nicht. Ich kritisiere Politik und Strukturen, nicht Menschen. Wer sich inhaltlich mit Asylpolitik oder Migration auseinandersetzt, ist nicht automatisch ein Rassist. Ich vertrete eine bürgerliche, patriotische Position: Schutz der Schweiz, Schutz der Bürger, funktionierende Regeln, geordnete Migration, Meinungsfreiheit und Rechtsstaat. Kritik an politischer Fehlentwicklung ist kein Hass auf Menschen.

Cadonau: Nein. Das ist genau das Problem: In der Schweiz wird zunehmend versucht, legitime politische Positionen moralisch zu kriminalisieren. Was die Debattenkultur vergiftet. Statt Argumente zu prüfen, verteilt man Etiketten. Das ist einer demokratischen Streitkultur unwürdig.

Viele Menschen ziehen es vor, nicht öffentlich Klartext zu sprechen

Cadonau: Weil viele Menschen privat klar sprechen, öffentlich aber schweigen – aus Angst vor beruflichen, sozialen oder medialen Konsequenzen. Wenn jemand sieht, wie schnell heute ein Shitstorm, ein Rufmord oder ein wirtschaftlicher Schaden entstehen kann, dann wirkt das abschreckend. Genau das meine ich mit Einschüchterung: Nicht nur staatliche Zensur – sondern sozialer und wirtschaftlicher Druck.

Cadonau: Ich kann die internen Zahlen von Coop nicht prüfen – das steht ausser Frage. Aber der zeitliche Zusammenhang wirkt auf mich schlicht unglaubwürdig. Wenn ein Produkt kurz nach einer politischen Kontroverse aus den Regalen verschwindet, darf man durchaus fragen: Geht es hier wirklich um betriebswirtschaftliche Gründe – oder reagiert man aus Angst vor einem links-woken Shitstorm?

Cadonau: Ich fordere keine Gesinnungsprüfung in die andere Richtung. Ich fordere Fairness und Gleichbehandlung: klare und transparente Kriterien bei Kooperationen, keine politischen Doppelstandards, Respekt gegenüber unterschiedlichen bürgerlichen Positionen und keine moralische Vorverurteilung bei zulässigen Meinungsäusserungen. Wer “Vielfalt” ernst meint, muss auch Meinungsvielfalt aushalten – nicht nur Lifestyle-Vielfalt. Wir sind alle Menschen mit einem Privatleben und eigenen Überzeugungen.

Als Privatperson muss die Meinungsfreiheit geschützt sein. Es kann nicht sein, dass zwei marktbeherrschende Lebensmittelunternehmen einen einzelnen Unternehmer wegen seiner privaten berechtigten Meinung gecancelt haben. Das ist nicht meine Schweiz – und in einer solchen Schweiz will ich nicht leben. Ganz im Sinne des angeblichen Voltaire-Zitats: „Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.“

Junge SVP unterstützt den Boykott gegen Migros und Coop

Cadonau: Mir geht es darum, Kante zu zeigen. Ich habe hier die Junge SVP unterstützt, weil ich überzeugt bin: Freie Marktwirtschaft ist genauso wichtig wie Meinungsfreiheit. Ein Boykott ist keine Aggression, sondern ein friedliches, demokratisches Signal: Wer den Eindruck hat, ein Unternehmen zerstört bürgerliche Stimmen oder schwächt junge Start-ups, kann bewusst Alternativen wählen. Das ist Marktwirtschaft in Reinform: Unternehmen setzen Werte, Konsumenten reagieren.

Cadonau: Nein – im Gegenteil. Ein Boykott ist selbst Ausdruck wirtschaftlicher und politischer Freiheit. So wie ein Unternehmen frei ist, Partner auszuwählen, sind Konsumenten frei, ihre Kaufentscheide nach eigenen Werten zu treffen. Demokratie bedeutet nicht, dass Kritik an Unternehmen verboten ist. Demokratie bedeutet, dass beide Seiten frei handeln und die Konsequenzen tragen.   

Zur Person: Manuel Cadonau lebt mit seiner Familie im Kanton St. Gallen. Er ist seit 2025 Parteipräsident der SVP Au-Heerbrugg. Als Jungpolitiker setzt er sich unermüdlich für Freiheit, Souveränität und den Schutz der Grundrechte ein. In seiner Vision für die Schweiz zeichnet er ein starkes sowie souveränes Land. Er vertritt eine Schweiz, die ihre Unabhängigkeit, ihren föderalistischen Aufbau und ihre Identität in einer globalisierten Welt selbstbewusst verteidigt. Als Familienvater engagiert sich Cadonau ausserdem für die Stärkung von Familien, die Entlastung von Unternehmen und die nachhaltige Förderung seiner Heimatregion.

Mehr Infos über Manuel Cadonau finden Sie hier.

Hier gelangen Sie zum TikTok-Video von Joung Gustav.

Die Reaktion von Joung Gustav auf sein Video finden Sie hier.

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Der Jungpolitiker Manuel Cadonau (SVP/SG) stellt sich hinter den als Joung Gustav bekannter Social-Media-Influencer. (Bild zVg)