Strahlend weiss, mit vier abgerundeten Gebäudearmen: Wie ein gestrandeter Riesen-Seestern hat sich diese atemberaubende Villa in den trockenen Boden des Peloponnes eingegraben. Um sich der Hitze zusätzlich zu entziehen, verfügt das Gebäude über nur wenige Fenster. Diese sind jedoch ganz bewusst gesetzt und inszenieren umso mehr den Ausblick.

Die Hitze flimmert, der Boden ist staubtrocken. Die knorrigen Olivenbäume geben nur spärlich Schatten. Hier am südwestlichen Ende des Peloponnes, der Halbinsel im Süden des griechischen Festlands, liegt das kleine Hafenstädtchen Methoni. Bereits Homer erwähnte diesen Ort in seinem Epos „Ilias“ unter dem Namen Pedasos. In seiner kämpferischen Geschichte hat es sich unter anderem bis 620 v. Chr. lange gegen die Spartaner zur Wehr setzen können. Heute geht es hier eher gemächlich zu, der Tourismus ist bescheiden, Industrie ist nicht vorhanden.

Harmonisch eingebettet

In einem sanft abfallenden Olivenhain oberhalb von Methoni hat sich ein weisses Gebäude in den Hang geschmiegt. Sein extravaganter Designanspruch steht in grossem Kontrast zur Umgebung. Das sogenannte KHI House besteht aus einer einzigen durchgehenden, geschwungenen Wand. Diese bildet im Grundriss einen Baukörper in Form eines vierarmigen Seesterns. Die ungleich langgezogenen Arme gliedern den Bau in vier Trakte. Am Ende jeden Traktes bildet der Flache, fast fensterlose Bau jeweils einen geschützten offenen Innenhof.

Die strahlend weisse Design-Villa wurde von einem Kunstsammler-Ehepaar in Auftrag gegeben. Das Architektenteam schuf daher ein ungewöhnliches Gebäude und vereinte darin Elemente zweier Gebäudetypologien; diejenige einer Galerie – verschlossen, weiss und ohne direktes Licht – sowie die Typologie eines Klosters mit umschlossenen Gärten. Tatsächlich strahlt das Gebäude auf diese Weise eine grosse innere Ruhe aus und bietet die perfekte Kulisse, um Kunst zu inszenieren und wirken zu lassen.

Jedes Fenster eine Offenbarung

Die Aussenwand wird nur stellenweise durchbrochen. Einerseits im Wohnbereich, wo eine riesige Schiebetüre das Gebäude öffnet und die Wohnfläche nach draussen weitet. Andererseits öffnen sich die vier Gebäudetrakte und laufen auf jeweils raumhohe Fensterflügel an ihren Enden zu. Dank dem Stahlprofilsystem Jansen-Economy 60 und seinem filigranen Design bestechen die Flügel durch ihre enormen Glasflächen und die minimalen Ansichtsbreiten der schlanken Profile. Gerade bei diesen stark beanspruchten zweiflügeligen Türelementen zeigt Jansen-Economy 60 seine Stärken. Design und Funktionalität stehen ganz im Dienste einer grossflächigen Öffnung der Aussenhülle. Die übrigen Fensteröffnungen in den Schlafzimmern, Bädern oder Nebenräumen – vereinzelte, vertikal orientierte schmale Fenster, die tief in der Leibung eingelassen sind – bestehen ebenfalls aus Jansen-Economy 60. Die nachgewiesene Einbruchhemmung und mechanische Festigkeit des Stahlprofilsystems mit Bautiefe 60 Millimeter wird gerade bei Villen und in spärlich besiedelten Regionen geschätzt.

Trotz der Hitze Südgriechenlands strahlt der extravagante Baukörper eine kühle Nüchternheit aus. Er bildet ein schützendes Refugium, nach aussen fast komplett verschlossen. Das Gebäude mit rund 200 Quadratmetern bebauter Fläche drückt sich geradezu in den Boden, aus dem es unterschiedlich hoch herausragt. Seine Höhe ist auf die Wipfel der umliegenden Olivenbäume beschränkt. Von der maximalen Höhe in der Gebäudemitte sinkt die Aussenwand zum Ende jeden Traktes hinab auf 1,20 Meter. Der Erdaushub wurde weiterverwendet, um eine harmonische Einbettung des Projekts in die landwirtschaftlich genutzte Umgebung zu ermöglichen. Die begehbare Dachfläche erinnert mit der im Südwesten geschwungenen Rückwand an die Villa Malaparte auf Capri, sie bietet ein herrliches Panorama auf das weiter unten liegende tiefblaue Meer.

Die scheinbar endlos geschwungene Aussenwand prägt den Bau, gibt ihm die markante Form, bestimmt seine Höhe, bildet Innenräume und definiert die angegliederten Aussenräume; die Zimmerwand findet ihre Fortsetzung nach draussen und umrundet hofseitig jeweils einen Zitronenbaum. Das Gebäude verfügt über nur wenige, jedoch ganz bewusst gesetzte Fenster. Jeder Ausblick wird dadurch zur Offenbarung, die die wechselnden Farben des Himmels und der Landschaft als gerahmtes Bild inszeniert.

Das gilt auch für die Fassade: Die geschwungene Wand in Weiss erzeugt eine starke Präsenz des Himmels, von Licht und Schatten. Die Oberfläche der Aussenseite wird durch senkrecht stehende Wellen belebt; je nach Tageszeit erzeugt die Sonne auf den gewellten Aussenflächen ein faszinierendes Schattenspiel.

Sakrales Raumerlebnis

Gegen Südwesten und zwischen zwei Gebäudeflügeln gelegen, markiert ein metallenes, weisses Tor den Eingang. Das Gebäude dahinter erschliesst sich mit einem fliessenden Eingangsbereich und schafft dabei ein fast sakral anmutendes Raumerlebnis. Dieser offene Raum verbindet und vereint die vier Gebäudetrakte, und führt die Besucher zum Wohn und Essbereich. Hier im Inneren bilden die durchgehenden, weissen Flächen eine faszinierende Raumabfolge. Weisse Decke, weisse Wände und der fast weisse Terrazzo-Boden unterstreichen das fliessende Raumkontinuum. Der rund 16 Meter lange und an seiner breitesten Stelle fünf Meter breite Gebäudetrakt in Richtung Osten enthält die repräsentativen Bereiche der Villa. Im angegliederten Innenhof führt entlang der runden Aussenwand eine Treppe hinauf zur Dachterrasse. Im Wohnbereich wurde mittig eine längsgerichtete Kochinsel platziert. Von hier aus ermöglicht eine raumhohe Fensterfront mit Schiebetüren den Ausblick zur Gartenterrasse und weiter zum Meer. Die Terrasse ist grösstenteils durch eine Überdachung sonnengeschützt. Ihr vorgelagert ist ein Swimmingpool. Die übrigen Gebäudetrakte beherbergen jeweils die privaten Bereiche wie Schlafzimmer, Bäder und Nebenräume.

Das KHI House kombiniert zwei extreme Bedingungen, die sich ergänzen – die Höfe, die eine meditative Einfriedung bieten, und der Ostflügel und das Dach, die im Gegensatz dazu einen unverstellten Panoramablick auf das Meer bieten“, erklärt Theo Sarantoglou Lalis. Diese Anordnung schaffe eine visuelle Intimität, was zu stillen, kontemplativen Räumlichkeiten führe. KHI wurde von den in London und Brüssel ansässigen Architekten Theo Sarantoglou Lalis und Dora Sweijd von LASSA architects entworfen. Gebaut wurde die weisse Villa von lokalen Auftragnehmern, die von LASSA mit der Erfahrung bei digitalem Design und der Herstellung von nicht standardisierten Teilen unterstützt wurden.

Fotos: Naaro Studio, London

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