Wie die Sektion Baar der Schweizerischen Volkspartei (SVP/ZG) in einer Medienmitteilung schreibt, habe der Gemeinderat von Baar die Bevölkerung getäuscht. Die Exekutive will das Frei- und Hallenbad Lättich modernisieren und ausbauen. In Planung ist auch der Neubau einer Outdoor-Wellness-Anlage. Die Bevölkerung sollte sich über die Website “mitwirken-baar.ch” zum Projekt äussern. Wie die SVP Baar aufgedeckt hat, haben sich lediglich 154 Personen der rund 25’000 Einwohner zählenden Gemeinde an der Befragung beteiligt. Die SVP moniert, die Exekutive habe die marginale Beteiligung als ein repräsentatives Votum des Souveräns hinstellt. Und spricht von Scheindemokratie. Damit wird der Ausbau vom Schwimmbad Lättich in Baar zum Politikum.
Von Claudio Prader
In seiner Medienmitteilung vom 5. Februar 2026 titelt der Gemeinderat der Stadt Baar (ZG): Die Baarer Bevölkerung will ein ausgebautes Schwimmbad Lättich. Bei seiner Aussage stützt sich die Exekutive auf eine Volksbefragung, an der sich die Leute über die Webseite “mitwirken-baar.ch” beteiligen konnten. Die Einwohnerinnen und Einwohner konnten auf der Webseite ihre Meinungen zur Modernisierung und Weiterentwicklung des Frei- und Hallenbades Lättich äussern. Und auch ihre eigenen Ideen einbringen. Soweit der Plan.
Gemeinderat verheimlicht die tiefe Beteiligung an der Befragung zur Modernisierung des Schwimmbades Lättich in Baar
Im Mediencommuniqué lässt die Exekutivbehörde verlauten, dass die Rückmeldungen für die Gemeinderätin Sonja Zeberg-Langenegger, die für das Projekt zuständige Vorsteherin des Departements Liegenschaften & Sport, ein wertvoller Kompass für die nächsten Schritte seien. Die Befragung hätte aufgezeigt, wie wichtig das Lättich für Baar sei. Und welche Erwartungen die Bevölkerung an das Bad der Zukunft habe. Auf dieser Basis würde die Gemeinde nun die nächsten Planungsschritte vorbereiten. Der Gemeinderat setze sich in einem nächsten Schritt daran, anhand einer Machbarkeitsstudie das Ausbauvorhaben zu prüfen. Dabei gehe es herauszufinden, wie sich das Raum-, Flächen- und Beckenprogramm technisch und räumlich umsetzen liesse. Die Studie soll voraussichtlich bis Mitte 2027 abgeschlossen sein, schreibt der Gemeinderat von Baar.
Das Vorgehen des Gemeinderates hat die SVP Baar auf den Plan gerufen
In seiner Medienmitteilung zeigt sich der Gemeinderat über die “vielen Rückmeldungen” erfreut. Und schreibt ferner, dass die Auswertung der Rückmeldungen ein klares Bild ergeben haben. Die Reaktionen der Teilnehmenden sollen deshalb während der Planungsphase berücksichtigt werden, lässt die Exekutive Anfang Februar verlauten. Ein im Rahmen der Befragung häufig genannter Wunsch sei der Bau einer Outdoor-Wellness-Anlage gewesen. Die Exekutive nennt die Anlage semantisch geschickt einen “Warmwasser-Aussenbereich”.
Brisant dabei: Die siebenköpfige Exekutive der Gemeinde Baar hat in der Medienmitteilung mit keiner Silbe erwähnt, dass sich bloss 154 von den insgesamt rund 25’000 Einwohnerinnen und Einwohner an der Befragung beteiligt haben. Das sind gerade einmal knapp 0,6 Prozent der Bevölkerung.
Dieses Vorgehen hat die Schweizerische Volkspartei (SVP) auf den Plan gerufen. Wie die Partei ihrerseits in einer Medienmitteilung schreibt, sei das Verhalten des Gemeinderates unerhört. Dass sich von den knapp 15’000 Stimmberechtigten lediglich 154 Personen an der Befragung beteiligt haben, ist für die SVP eine Farce. Dabei sei nicht einmal sicher, ob es sich hierbei auch um Stimmberechtigte handlen würde. Die SVP spricht von einer Scheindemokratie. Was der SVP ebenfalls sauer aufstösst sind die mit der Modernisierung und Erweiterung des Bades verbundenen Betriebskosten. “Allfällige Defizite solcher Anlagen werden am Ende von der öffentlichen Hand getragen”, so die Kritik der Partei an die Adresse des Gemeinderates. Ausserdem bemängelt die SVP, dass der Gemeinderat mit dem Bau der “Wellness-Oase” Fakten schaffen wolle, ohne zuvor die politischen Entscheidungsträger involviert zu haben.
Forstsetzung folgt …

Medienmitteilung SVP Sektion Baar
Wenn Mitwirkungsverfahren zur Scheindemokratie werden
Mitwirkungsverfahren sind derzeit in Mode. So hat der Gemeinderat Baar auch zur Zukunft des Hallen- und Freibads Lättich auf dieses Instrument zurückgegriffen. Der Einbezug der Bevölkerung klingt sympathisch – doch bei genauerem Hinsehen drängen sich Fragen auf.
Gerade einmal 154 Personen haben laut Mitwirkungsbericht teilgenommen. In Baar gibt es rund 14’800 Stimmberechtigte. Mit anderen Worten: Rund ein Prozent der Stimmbevölkerung hat sich beteiligt. Von einer repräsentativen Befragung kann also keine Rede sein. Hinzu kommt: Es ist nicht einmal klar, ob es sich bei den Teilnehmenden überhaupt um stimmberechtigte Baarerinnen und Baarer handelt.
Fakt ist: Das Mitwirkungsverfahren ist in der Gemeindeordnung gar nicht als demokratisches Instrument vorgesehen. Trotzdem wird damit zunehmend argumentiert, als ob daraus ein politischer Auftrag der Bevölkerung abgeleitet werden könnte. Genau hier beginnt die Scheindemokratie.
Das Schwimmbad Lättich soll zur Wellness-Oase umgebaut werden
Besonders heikel ist dies beim Lättich. Der Gemeinderat prüft derzeit Machbarkeitsstudien, wonach das Lättich um eine Wellnessanlage mit Saunalandschaft erweitert werden könnte. Eine grundsätzliche politische Diskussion über diese strategische Ausrichtung hat jedoch nie stattgefunden. Soll das Lättich weiterhin primär ein Hallen- und Freibad für Schulen, Familien und den Breitensport bleiben – oder künftig zu einer Wellnessoase ausgebaut werden?
Dabei geht es um mehr als nur ein Angebot: Allfällige Defizite solcher Anlagen werden am Ende von der öffentlichen Hand getragen. Umso wichtiger wäre eine offene politische Diskussion darüber, welchen Auftrag das Lättich künftig erfüllen soll – bevor Fakten geschaffen werden.


