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«Soldaten im Lager» von Robert van den Hoecke aus der Mitte des 17.Jahrhunderts (18,8 x 24,7 cm). Bild Kunsthaus Zürich

Was hat das Kunsthaus Zürich zu verbergen?

Vor kurzem erhielt die Redaktion des Schweizer Online-Magazins ProudMag.com eine äusserst kurze, dafür aber umso kryptischere Medienmitteilung. Der Absender: Das ehrwürdige Kunsthaus in Zürich. Eine der herausragenden kulturellen Institutionen in diesem Land. Rund um das Haus rangt sich ein gewisser Mythos. Als wäre es mittlerweile selbst zu einem Axiom emporgestiegen. Und so hüllt sich das Kunsthaus Zürich im Fall der wiedergefundenen Werke von Robert van den Hoecke sowie Dirck de Bray in ein nebulöses, mysteriöses Schweigen.

Die ansonsten so auskunftsfreudige Medienstelle des Kunsthauses hat bis heute nicht auf die Anfrage dieser Redaktion geantwortet. Gerne hätten wir in Erfahrung gebracht, was genau sich hinter dem mysteriösen Verschwinden und Wiederauffinden der beiden Millionen teuren Bilder verbirgt. Schlussendlich ist das Kunsthaus Zürich eine von der Öffentlichkeit mit Steuern getragene kulturelle Einrichtung, die den Zürcherinnen und Zürchern gegenüber Rechenschaft schuldig ist.

Eigentlich ist es eine tolle Nachricht, die uns vom Kunsthaus Zürich zugesandt worden ist.

Zwei vermisste Gemälde, beide aus Privatbesitz, beide Millionen von Franken wert, waren seit Anfang 2023 als gestohlen geglaubt und sind nun plötzlich wieder aufgetaucht. Es handelt sich hierbei um die beiden Werke von Robert van den Hoecke (Soldaten im Lager; ca. 1650) von sowie Dirck de Bray (Narzissen und andere Blumen in Glasvase auf einer Marmorplatte) von 1673.

Die genauen Hintergründe dazu werden in der Medienmitteilung nicht genannt. Auch unsere Mail-Anfrage blieb bisweilen leider unbeantwortet.

Gerne hätten wir vom Kunsthaus Zürich aus erster Hand erfahren, wie genau es dazu kommen konnte, dass so wertvolle Gemälde – zumal von Privaten dem Kunsthaus zur Verfügung gestellt, einfach so verschwinden konnten. Und unter welchen genauen Umständen die beiden Werke wiedergefunden wurden. Ob Arglist dahinter steckt, oder ob die Bilder aus Versehen «verloren» gingen. Doch dazu schweigt das Kunsthaus beharrlich. In der Medienmitteilung ist lediglich erwähnt, dass die Bilder zu der Zeit verschwanden, als im Herbst 2022 im Müller-Bau des Kunsthauses ein verheerender Brand wütete und darauf hin aufwändige Wiederaufbauarbeiten nötig waren. Und wir erfahren weiter, dass sich die beiden wiedererlangten Werke in einen guten Zustand befänden.

Das Kunsthaus hat am 13. Januar 2023 Anzeige bei der Kantonspolizei erstattet

Wie bereits erwähnt … Leider hat die Medienstelle des Kunsthauses Zürich bis heute nicht auf unsere Anfrage für eine Stellungnahme reagiert. Sollte das Kunsthaus doch noch auf unsere Fragen antworten, so werden wir diese gerne zu einem späteren Zeitpunkt nachliefern.

Klar ist heute, dass das Kunsthaus Zürich am 13. Januar 2023 bei der Kantonspolizei Anzeige erstattet hat. Worauf diese mit den Ermittlungen begonnen hat. Auch ein Finderlohn wurde ausgesetzt. Einer Medieninfo der Kapo Zürich ist zu entnehmen, dass die Bilder im Zeitraum zwischen dem 21. September 2022 und dem 22. Dezember 2022 verschwunden sind. Die näheren Umstände seien nun Inhalt der Ermittlungen, schrieb die Kantonspolizei.

Von der zuständigen Staatsanwaltschaft Zürich konnte das Schweizer Online-Magazin ProudMag.com auch nicht mehr erfahren. In seiner Antwort auf die Mail-Anfrage der Redaktion von ProudMag.com verwies die Medienstelle der Oberstaatsanwaltschaft lediglich auf den Umstand, dass diese aus «ermittlungstaktischen» Gründen keine weiteren Angaben machen kann.

Das Kunsthaus Zürich muss dringend verlorenes Vertrauen zurück gewinnen

Diese ganze Geschichte wirft kein gutes Licht auf das Kunsthaus Zürich. Eine kulturelle Institution mit nationaler Ausstrahlung. Und das stoische Schweigen der Verantwortlichen zu dieser Causa ist auch nicht gerade Vertrauen erweckend. Dieses verlorene Vertrauen und auch den dadurch erlittenen Image-Schaden gilt es nun wieder zu tilgen. In der Verantwortung steht deshalb besonders der Vorstand des Kunsthauses Zürich. Namentlich Ann Demeester, Direktorin des Kunsthaus Zürich sowie Philipp Hildebrand, Präsident der Zürcher Kunstgesellschaft. Das Duo wird in der nächsten Zeit besonders unter Beobachtung der Öffentlichkeit und der Medien stehen.

Letzte Woche kommunizierte das Kunsthaus Zürich, mittlerweile Schulden von über 4,5 Millionen Franken angehäuft zu haben. Wie Philipp Hildebrand, der Präsident der Zürcher Kunstgesellschaft, im heutige Interview mit der NZZ ausführt, ist der Fehlbetrag auf den Erweiterungsbau – den so genannten Chipperfield-Bau, und mit den damit verbundenen Betriebskosten zurückzuführen. Immerhin könnten nun Rückstellungen von über 400’000 Franken aufgelöst werden, da die als gestohlen geglaubten Bilder mittlerweile wieder aufgetaucht sind. Das gesamte Interview in der Neuen Zürcher Zeitung finden Sie unter dem folgenden Link:

Millionen teure Werke, die urplötzlich verschwinden und wie von Geisterhand wieder auftauchen. Millionen Schulden, die schlussendlich von der Öffentlichkeit getragen werden müssen. Inhaltliche Auseinandersetzungen um die künstlerische Ausrichtung des Hauses entspannen sich zu veritablen Schismen. So wie letzthin anlässlich der kontroversen Bührle-Sammlung. Keine guten Rauchzeichen, welche die Grand Dame hier von sich gibt. Bleibt zu hoffen, dass die Negativspirale der letzten Jahre ein jähes Ende und das Haus wieder zu alter Grösse und Ausstrahlung findet.