Ballermann-freie Zone: Tatsächlich gibt es auf Mallorca noch Unentdecktes. Wer den Küstenstreifen mit den Bettenburgen hinter sich lässt, kann auf der Baleareninsel so manch verborgene Kostbarkeit entdecken. Der Mallorca-Experte fincallorca stellt reizvolle Orte abseits ausgetretener Touristenpfade vor.

 

Sa Dragonera – Unberührtes Naturparadies:

Früher versteckten hier Piraten ihr Diebesgut, heute wuseln Eidechsen über das Eiland und nisten Seevögel. Bereits seit 1995 ist Mallorcas kleine Schwesterinsel Sa Dragonera Naturschutzgebiet. Besucherströme sind schon deswegen ausgeschlossen, weil bereits eine Gruppe von mehr als zehn Personen eine Sondererlaubnis braucht. Reisende, die die Abgeschiedenheit suchen, schippern von Sant Elm mit kleinen Ausflugsbooten zur Insel. Dort wandern sie auf schmalen Pfaden zu zahlreichen Naturschönheiten und einsamen Buchten.

 

Basilica de Sant Francesc – Andächtige Stille:

Ein direktes Gegenstück zum Ballermann ist der Kreuzgang des Franziskaner-Klosters mitten im pulsierenden Herzen von Palma de Mallorca. Dort herrscht völlige Stille – und das schon seit über 700 Jahren. Die Basilica de Sant Francesc ist das zweitgrösste Gotteshaus der Balearen. Sein grösster architektonischer Schatz ist der Kreuzgang, einer der grössten dieser Art in Europa. Er ist ein Traum in mediterraner Gotik – und ein Refugium für Augen und Ohren.

 

Puig de Randa – Spirituelles Erbe:

Himmlische Ruhe erwartet die Besucher auf dem Wallfahrtsberg Randa. Auf der höchsten Erhebung der Insel (542 Meter) liegt das Kloster Nuestra Senyora de Cura, einst Wirkungsstätte des Ramon Llull. Den Überlieferungen zufolge hatte der Universalgelehrte 1274 ein Erweckungserlebnis. Daraufhin entwickelte er eine Wahrheitsmaschine, die durch logisches Kombinieren die Lüge von der Wahrheit unterscheiden konnte. Sein Leben als Theologe, Philosoph, Sprachforscher und Missionar ist in einem kleinen Museum dokumentiert.

 

Nekropole Son Real  Magischer Ort:

Für viele Mallorquiner ist Son Real eine Art Miniaturausgabe von Mallorca. Hier erleben Besucher Geschichte, Kultur, Architektur und Landschaft der Insel in kompakter Form sowie den grössten prähistorischen Friedhof des Mittelmeerraums. Aber nur wenige Menschen finden zur grössten bisher aufgefundenen und freigelegten „Totenstadt“ auf der abgelegenen Landzunge Punta des Fenicis.

Necropolis de Son Real © Olaf Tausch

Idyllische Bucht an der Nordküste– Cala Murta:

Anfahrt über unzählige Serpentinen und dann noch ein Fussmarsch. Die Lage der Cala Murta ist für viele Touristen ein No Go. Vor Ort gibt es zudem weder einen Service noch Liegen. Genau deshalb herrscht hier nicht einmal zur Hochsaison Gedränge. Nur wenige Naturliebhaber teilen sich den steinigen Strand mit glasklarem Wasser. Wer die Stille der Bucht geniessen will, fährt von Port de Pollença bis zum Parkplatz, der zur Cala Figuera gehört. Von hier folgen Touristen dann gute 20 Minuten der Beschilderung.

 

Castell d’Alaro – Idylle mit Weitblick: 

Knapp 25 Kilometer nordöstlich von Palma de Mallorca entfernt befindet sich das Castell d’Alora. Die Festungsanlage galt lange Zeit als uneinnehmbar und ist noch heute für viele Mallorquiner ein Freiheitssymbol. Nur wenige Touristen besuchen die Burgruine. Kein Wunder, das Castell auf dem schmalen, 800 Meter hohen Rücken des Puig d’ Alaró ist nur über eine Steintreppe zu erreichen. Lohn des schweisstreibenden Aufstiegs ist Ruhe und ein grossartiger Weitblick.

 

Cala Boque – Wo Ziegen meckern:

Ja, es gibt sie: Wanderwege abseits ausgetrampelter Pfade. Zwischen riesigen, bizarren Felsformationen schlängelt sich der Weg durch das weite, nur karg bewachsene und sanft ansteigende Vall de Boquer. Das Gemecker halbwilder Ziegen begleiten die Wanderer ebenso wie der würzige Duft von Rosmarin. Eine Badehose gehört auf jeden Fall in den Rucksack. Denn das Ziel ist ein abgeschiedener Strand.

 

Eddi’s Reitstall – Sonnenuntergang auf dem Pferderücken:

Pferdeliebhaber kommen auf Mallorca voll auf ihre Kosten. Zum Beispiel bietet Eddi‘s Reitstall in Cala Ratjada kurze und längere Ausritte für Einsteiger und Fortgeschrittene an. Reiterromantik pur erleben Reiter bei Sonnenuntergangsritten durch die wilde Dünenlandschaft zum Strand nach Cala Mesquida. Zurück geht’s im Galopp unterm Sternenhimmel, der über Mallorca besonders klar ist.

Reiten auf Mallorca © Kerstin Zacharias

 

 

Banys Àrabs – Entspannen im Stadtgetümmel:

Das arabische Badehaus verbirgt sich mitten in den engen Gassen der Altstadt von Palma de Mallorca. Banys Àrabs ist eines der wenig erhaltenen Beispiele der maurischen Architektur auf Mallorca. Viel ist nicht übrig geblieben: ein Hamam aus dem zehnten Jahrhundert und zwölf Säulen, die eine kleine Gewölbekammer tragen. Aber der üppige Garten mit Kakteen, Palmen und Orangenbäumen ist heute noch ein bezaubernder Rückzugsort zum Verweilen, Ausruhen oder Lesen.

 

Cala Marmols – Paradiesisches Versteck:

Einsame, verträumte Buchten mit kristallklarem Wasser und weissem Sandstrand sind nur noch selten auf Mallorca. Die Cala Marmols ist so eine. Wer am Traumstrand ganz im Süden Mallorcas baden will, muss gut zu Fuss sein. Fünf Kilometer lang ist der Wanderweg vom Cap Ses Salines entlang der senkrecht abfallenden Felsenküste. Deshalb sind es meist nur Motorbootfahrer und Segler, die auf dem bequemen Wasserweg die von hohen Marmorfelsen umgebene Bucht besuchen.