Nie zuvor war man sich der täglichen Leistung unserer Fachkräfte bewusster, als während Corona. Von medizinischen Fachkräften bis hin zu Supermarktmitarbeitern und Handwerkern haben sie alle dafür gesorgt, dass das Leben auch in der Krise weitergehen konnte. Umso dramatischer ist die Erkenntnis, dass sich der Fachkräftemangel in der Schweiz während der letzten Jahre verschärft hat. So vor allem im Handwerksbereich.

Was wäre die Schweiz ohne Fachkräfte?

Die Coronakrise hatte schreckliche, aber vielerorts auch rührende Momente. Ob nun Pflanzen als Zeichen der Zuversicht oder der Applaus, mit dem man sich auf der ganzen Welt bei medizinischen Fachkräften bedankte. Krankenschwestern, Pfleger und Ärzte wird man auch nach der Krise aus anderen Augen sehen. Dasselbe gilt für Supermarktmitarbeiter. Ihnen allen ist man dankbar für die Risiken, die sie während Corona für die Masse in Kauf genommen haben. Wieviel Dank auch dem Handwerksbereich zuteilwerden sollte, wurde einem spätestens bei der ersten verstopften Leitung während der Pandemie bewusst. Im Notfall sind sie ähnlich wie Ärzte, Polizisten und Feuerwehrmänner stets zur Stelle, um anderen zu helfen. Angesichts dieser Erfahrungen ist es dramatisch, dass kleine und mittelständische Unternehmen aus der Nahrungsmittel- und Baubranche seit Jahren Rekrutierungsprobleme beklagen.

Geografische Unterschiede: Besonders von Fachkräftemangel betroffen ist die Ostschweiz, während in der Genfer Seeregion „nur“ etwa die Hälfte aller KMUs Schwierigkeiten beklagt.

Fallende Zuwanderungsquote als Hauptgrund

Laut dem Handwerksbeschäftigungsindex für die DACH-Region verdienten Handwerksgesellen in Zürich 2018 fast 5000 Euro. Im Vergleich zu anderen deutschsprachigen Ländern ist das viel, allerdings sind auch die Lebenskosten in der Schweiz höher als in Deutschland oder Österreich. Aus Gründen wie diesen waren Handwerksanstellungen in der Schweiz vor allem unter Pendlern aus dem nahen Ausland beliebt, die lediglich zum Arbeiten ins Land kamen. Einer der Hauptgründe für den angestiegenen Fachkräfteengpass im Handwerk ist die seit Jahren rückläufige Einwanderungsrate aus dem europäischen Ausland. Im ersten Halbjahr des Jahres 2017 war die Zuwanderungsquote um über ein Viertel niedriger als noch zwei Jahre zuvor.

Mehr Chancen zuhause

Das wirtschaftliche Umfeld ist im europäischen Ausland heutzutage deutlich chancenreicher als noch vor einigen Jahren. EU-Bürger haben heutzutage gute Aussichten auf eine Handwerksstelle im eigenen Land. Damit sind automatisch sinkende Auswanderungspläne verbunden. Viele ehemalige Handwerker aus dem europäischen Ausland sind mittlerweile ausserdem bereit, der Schweiz zugunsten einer Anstellung zuhause wieder den Rücken zu kehren. Zudem hat sich auch das Nachbarland Deutschland zu einem attraktiven Berufsstandort entwickelt. Zumindest im Gesundheitswesen hat die Schweiz derzeit noch genügend Fachkräfte. Gerade die Erfahrungen der Coronakrise sollten allerdings dazu auffordern, auch den Handwerksbereich im Land für ausgebildete Arbeiter wieder attraktiver zu gestalten.