Eine bestimmte technische Konstante zeichnet jede Uhr in der Legacy-Machine-Kollektion von MB&F aus. Bei jeder Edition treten unterschiedliche Funktionen und verschiedene Komplikationen in den Vordergrund. Die aufgehängte Unruh jedoch schwebt wortwörtlich und im übertragenen Sinne über allem. Diese Besonderheit wird bei der Legacy Machine Split Escapement nicht nur betont, sondern erreicht ganz neue Dimensionen. Die Unruh der LM SE schlägt unter dem höchsten Punkt des gewölbten Zifferblattglases mit gemächlichen, traditionellen 18000 A/h (2,5 Hz).

Von seiner weniger traditionellen Seite präsentiert sich das Modell in seinem Aufbau. Anders als die meisten anderen aufgehängten Unruhen in der Legacy-Machine-Kollektion – und im Gegensatz zu allen anderen Unruhen der Konkurrenz – scheint die Unruh der LM Split Escapement ganz von selbst zu schwingen, ohne jegliche sichtbare Energiezufuhr.

Die wichtigsten restlichen Bestandteile der Hemmung, die den Antriebsimpuls liefern – Anker und Hemmungsrad –, sind auf der gegenüberliegenden Seite des Uhrwerks versteckt, nahezu zwölf Millimeter darunter – daher der Name „Split Escapement“. Unter der Unruh wird auf dem Dreifachzifferblatt der Split Escapement die Uhrzeit bei 12 Uhr angezeigt, die Gangreserve bei 4 Uhr sowie das Datum bei 8 Uhr. Das Datum ist ganz einfach und schnell mit dem Drücker an der Gehäuseseite neben dem Zifferblatt mit der Datumsanzeige einstellbar. Die weiteren Gestaltungsmerkmale knüpfen auf logische Weise an die der letzten Legacy-Machine-Modelle an, wie zum Beispiel die Unruhreifbrücke mit den natürlich geschwungenen Bögen der LM Perpetual. Etwas auffälliger: Die LM Split Escapement ist mit der mikrostrukturierten „Reif“-Oberfläche versehen, im Stil historischer Taschenuhren des 18. und 19. Jahrhunderts. Diese traditionelle Technik führte MB&F erstmals mit den LM-101-„Frost“- Modellen ein. Die Legacy-Machine-Kollektion schöpft ihre Inspiration aus dem Zeitalter der gekörnten Uhrwerke, der glatten, runden Uhren und der glänzend-weißen Zifferblätter. So war es nur eine Frage der Zeit, bis MB&F wieder die „Frost“-Veredelung präsentierte. Bei historischen Uhren wurde der Körnungseffekt durch spezielle Säuremischungen erreicht. Im modernen Verfahren jedoch wird die Oberfläche sorgfältig mit einer Drahtbürste komprimiert, um dieses Ergebnis zu erzielen. Die LM Split Escapement steht ganz unter dem Zeichen dieser Technik. Sämtliche 72 Teile werden vollständig von Hand bearbeitet.

Die Split Escapement präsentiert sich in vier unterschiedlichen Zifferblatt-Editionen – allesamt in einem Weißgoldgehäuse, so dass der Körnungseffekt in seiner vollen Schönheit zur Geltung kommt. Jede auf 18 Stück limitierte Edition zeichnet eine „bereifte“ Oberfläche sowie eine Uhrwerksveredelung in unterschiedlichen Farbtönen aus, die verschiedene Aspekte der Persönlichkeit der Split Escapement verkörpern sollen.

Die erste Legacy Machine knüpfte an die von Erstaunen und Freude geprägte Stimmung an, die auf den Weltausstellungen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert herrschte. Das Gestaltungsmerkmal der aufgehängten Unruh sollte diese aufregende Mischung von Emotionen kanalisieren – eine Wirkung, die durch die scharfe Abkehr von der etablierten Uhrmachertradition erreicht wird. Antriebsstein, Anker und Hemmungsrad werden zur entgegengesetzten Seite des Motors der Legacy Machine Split Escapement befördert, was die optische Wirkung der Unruh noch verstärkt – ganz wie ein Zauberer, der alle Spuren der Mechanismen, die hinter seinem neuesten atemberaubenden Trick stecken, sorgfältig verschwinden lässt. Und genau wie bei allen anderen geheimnisvollen visuellen Kunststücken, die in Erstaunen versetzen, werden hierzu alte Regeln zurechtgebogen und neue geschrieben.

Die Tatsache, dass die äußerst empfindliche Unruh bei der chronometrischen Präzision eine entscheidende Rolle spielt, hält die meisten Uhrmacher davon ab, sich bei der Fertigung von Hemmungen allzu weit vom konventionellen Aufbau zu entfernen. Dem genialen Uhrmacher Stephen McDonnell, der hinter der preisgekrönten Legacy Machine Perpetual steckt, gelang es jedoch, reelle und subjektiv empfundene Hindernisse zu umgehen und einen mechanischen Regulator in neuer Konfiguration zu schaffen.

Die Legacy Machine Perpetual war 2015 die erste MB&F-Kreation mit „Split Escapement“, auch wenn die Aufmerksamkeit damals zu Recht auf den bahnbrechenden neuen ewigen Kalender gerichtet war. Mit der LM Split Escapement ist nun die Zeit reif für ihre gleichnamige Funktion.

Trotz aller technischen Hürden, die bei der Entwicklung der „Split Escapement“ auftraten, kommt beim Motor der LM Split Escapement auch das Design nicht zu kurz: Es zeigt sich klassisch und schön symmetrisch. Die Brücken umrahmen die darunter angeordneten Bauteile und schmiegen sich harmonisch um die Goldchatons und die versenkten Steine.

Zifferblattseitig ist die Unruhreifbrücke die dritte Iteration eines Bauteils, das bisher in allen Legacy Machines eine zentrale Rolle spielte. Die Brücke der ersten Legacy Machines zeichnete sich durch eine gewisse Industrieästhetik aus und entwickelte sich dann mit der Legacy Machine 101 und der Final Edition der Legacy Machine N°1 hin zu einer abgerundeten Form mit einer keilartigen Basis. Bei der LM SE bildet die Brücke ähnlich wie bei der Legacy Machine Perpetual eine natürlich geschwungene Linie, die von einem Ende zum anderen verläuft.

Technische Herausforderungen der Split Escapement

In der Uhrmacherei bezeichnet die Hemmung jene Baugruppe, die dafür sorgt, dass die mittels Feder gespeicherte Energie gleichmäßig und kontrolliert abgegeben wird, anstatt auf einmal. Sie besteht in der Regel aus dem Gangregler, dem Anker und dem Hemmungsrad. Die uhrmacherische Tradition will, dass diese Komponenten möglichst nah beieinander angeordnet sind, um äußere Störfaktoren möglichst gering zu halten. In diesem bestimmten, selten infrage gestellten Gebiet der Uhrmacherei geht MB&F neue Wege.

Während die Unruh der LM Split Escapement unter dem zifferblattseitig gewölbten Saphirglas schlägt, befinden sich Antriebsstein, Anker und Hemmungsrad auf der Rückseite des Uhrwerks und können durch den Sichtboden bestaunt werden. Dies erfordert eine ungewöhnlich lange Unruhwelle, die durch das Zentrum des Uhrwerks führt – ein Meilenstein in der Mikromechanik und Fertigungstechnik.

Die Entfernung zwischen dem Unruhreif und dem Antriebsstein beträgt satte 11,78 Millimeter: die Länge der Unruhwelle, die durch das Uhrwerk führt und durch das Zifferblatt projiziert wird, um den Oszillator zu tragen. Mit einer längeren Unruhwelle erhöht sich jedoch die Gefahr möglicher Störfaktoren, die auf den Oszillator einwirken können, sowie potenzieller Verzerrungseffekte der langen Achse, die unter ständiger Drehbeanspruchung steht. Eine träge Unruh und eine steife Unruhwelle sind die entscheidenden Faktoren dieses sensiblen Gleichgewichts. So wurde der Motor der LM SE speziell für optimale chronometrische Leistungen entwickelt.

Bei der Split Escapement spielt eine stabile Konstruktion eine weit wichtigere Rolle als bei herkömmlichen Hemmungen, was einen erheblich reduzierten Maßfehlerspielraum im Fertigungsprozess zur Folge hat. Daher wird die Unruhwelle an beiden Enden mit stoßfesten Lagersteinen bestückt und die Brücke, die Anker und Hemmungsrad trägt, für eine optimale Feineinstellung separat fixiert.

Da eine längere Unruhwelle eine höhere Masse aufweist, die die letztendlich an den Oszillator übertragene Energie potenziell beeinträchtigt, wird der LM-Split-Escapement-Motor von zwei parallel angeordneten Federhäusern angetrieben, die für eine bis zu 72 Stunden optimale Ganggenauigkeit sorgen.

Traditionelle Finissierung

Die „gekörnte“ Oberflächenveredelung unter den Lackzifferblättern der Legacy Machine Split Escapement erinnert unweigerlich an Uhrwerke des 18. und 19. Jahrhunderts. Sie hatte ursprünglich sowohl eine funktionelle als auch dekorative Bedeutung. Die matte Oberfläche war anlaufbeständig und diente dem Schutz gegen Oxidierungsprozesse. Der raffinierte, gleichmäßige Glanz wird von Sammlern und Liebhabern historischer Uhren besonders geschätzt.

Die traditionellen Verfahren zur Erzielung des „Frost“-Finishes sind aufgrund ihrer Gefährlichkeit nicht mehr zeitgemäß (ein Verfahrensschritt bestand im Erhitzen von Metall über offener Flamme mit anschließendem Eintauchen in konzentrierte Salpetersäure). MB&F arbeitet mit Kunsthandwerkern zusammen, um dieselbe „bereifte“ Oberfläche und den charakteristischen Glanz des Frost-Finishes ohne Einsatz von Chemikalien zu erzielen.

Die zu körnende Oberfläche wird dazu mit einer Drahtbürste von Hand bearbeitet, wodurch winzige Vertiefungen in jeweils kleine Bereiche eingearbeitet werden. Die Drahtbürste muss die Metalloberfläche genau im selben Winkel und unter derselben Druckeinwirkung berühren und die Vertiefungen müssen gleichmäßig über die gesamte Oberfläche verteilt werden, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen.

Bei der LM Split Escapement wurde ein für den größeren Bereich besser geeignetes, breiter verstreutes Frost-Finish angewendet, um darauf aufmerksam zu machen, dass es sich hierbei um Handarbeit handelt. Dann wurden die Oberflächen PVD-beschichtet, um ihnen den gewünschten Farbton zu verleihen – in Blau, Ruthenium, Rotgold bzw. Gelbgold.

Die Legacy-Machine-Uhrenkollektion von MB&F

2011 startete MB&F die Kollektion der Legacy Machines als Ergebnis eines eigenwilligen Gedankenexperiments des Gründers Maximilian Büsser: „Was wäre wohl passiert, wenn ich 1867 geboren wäre und nicht 1967? Im frühen 20. Jahrhundert tauchten die ersten Armbanduhren auf, und ich hätte den Wunsch verspürt, dreidimensionale Zeitmessmaschinen fürs Handgelenk zu bauen, aber ich hätte keine Science-Fiction-Figuren oder Kampfjets als Inspiration gehabt. Ich wäre eben von den Taschenuhren dieser Zeit beeinflusst worden, vom Eiffelturm und Jules Verne. Wie hätte meine Maschine zu Beginn des 20. Jahrhunderts dann ausgesehen? Rund wäre sie gewesen (Tradition) und dreidimensional (so wie die MB&F-Maschinen). Die Legacy Machines sind die Antwort.“

Mit der Legacy Machine N°1 wollte man sich gleichzeitig von den Horological Machines abgrenzen, für die MB&F bereits bekannt war, und etablierte somit die ästhetischen Codes einer neuen Familie von MB&F-Kreationen: runde Gehäuse, weiß lackierte Zifferblätter, Uhrwerke mit klassischen Genfer Streifen und polierten Fasen und dann dieses eine überraschende Element, die schwebende Unruh – angesichts des sonst klassisch gehaltenen Modells umso atemberaubender.

In den sechs Jahren, die seit der Lancierung der LM1 mit der doppelten Zeitanzeige vergangen sind, kamen vier weitere Serien der Legacy Machine heraus, somit insgesamt fünf. Die Legacy Machine N°2 mit den zwei Gangreglern feierte 2013 Premiere. Die Legacy Machine 101, ein Destillat aus der Ästhetik der Legacy-Machine-Kollektion und dem ersten intern entwickelten Uhrwerk von MB&F, erschien ein Jahr später. Die Legacy Machine Perpetual mit hochgradiger Komplikation kam schließlich 2015 heraus.

Die große technische Kreativität, die die Legacy Machine Perpetual auszeichnet, prägt auch die Legacy Machine Split Escapement, deren Motor dem der Perpetual nachgebaut, jedoch seiner Komplikation entledigt wurde, um den innovativen Kern freizugeben.

MB&F: Entstehungsgeschichte eines Konzeptlabors

MB&F feierte 2015 seinen zehnten Geburtstag – und eine im Rückblick unglaubliche Dekade für das erste Uhrmacher-Konzeptlabor aller Zeiten. Das Ergebnis: zehn Jahre Hyperkreativität und elf bemerkenswerte Kaliber, die die Grundlage der von den Kritikern gefeierten Horological und Legacy Machines bilden und die MB&F inzwischen so bekannt gemacht haben.

Nach 15 Jahren leitender Tätigkeit im Bereich prestigeträchtiger Uhrenmarken kündigte Maximilian Büsser 2005 seine Stellung als Geschäftsführer bei Harry Winston, um MB&F – Maximilian Büsser & Friends – zu gründen. MB&F ist ein künstlerisches Mikrotechniklabor, das sich auf das Design und die Herstellung kleiner Serien extremer Konzeptuhren spezialisiert hat. Es bringt dabei talentierte Profis der Uhrenindustrie zusammen, deren Mitarbeit Büsser respektiert und schätzt.

2007 präsentierte MB&F seine erste Zeitmessmaschine (Horological Machine), die HM1. Das skulpturale dreidimensionale Gehäuse mit wunderschön gefertigtem Antrieb im Innern hat die Maßstäbe für die eigenwilligen Horological Machines gesetzt, die anschließend folgten: HM2, HM3, HM4, HM5, HM6, HM7, HM8 und HMX – Maschinen, die vorrangig von der Zeit berichten, als die Zeit lediglich anzuzeigen.

2011 brachte MB&F die Legacy-Machine-Kollektion heraus, eine Kollektion traditioneller Zeitmesser mit rundem Gehäuse. Diese eher klassischen Uhren – klassisch im Sinne von MB&F – erweisen dem hervorragenden Uhrmacher-Know-how des 19. Jahrhunderts eine Reverenz, indem sie große Komplikationen traditioneller Uhrmacherkunst für die Gestaltung zeitgenössischer Kunstobjekte neu interpretieren. Auf die LM1 und die LM2 folgte die LM101, die erste Zeitmessmaschine von MB&F mit einem Uhrwerk, das ganz und gar firmenintern entwickelt wurde. Im Jahr 2015 wurde die Legacy Machine Perpetual auf den Markt gebracht, die über einen vollständig integrierten ewigen Kalender verfügt. Seitdem wechselt MB&F zwischen modernen, gewollt unkonventionellen Horological Machines und geschichtlich geprägten Legacy Machines.

Neben den Horological und Legacy Machines hat MB&F in Zusammenarbeit mit Reuge, bekannt für exklusive Spieluhren, die MusicMachine (1, 2 und 3) und zusammen mit L’Epée 1839 ungewöhnliche Uhren in Form einer Raumstation (StarfleetMachine), einer Spinne (Arachnophobia), einer Rakete (Destination Moon) sowie zwei Roboteruhren (Melchior und Sherman) entwickelt. Darüber hinaus kreierte MB&F in Zusammenarbeit mit Caran d’Ache ein futuristisches Schreibgerät unter dem Namen Astrograph.

Zahlreiche Auszeichnungen zeugen vom innovativen Charakter der bisherigen Entwicklung von MB&F. Dazu gehören, um nur einige zu nennen, auch vier Preise vom Genfer Grand Prix d’Horlogerie: Im Jahr 2016 gewann die LM Perpetual den „Calendar Watch Prize“, 2012 erhielt MB&F den Öffentlichkeitspreis (durch Abstimmung unter Uhrenliebhabern) sowie den „Men’s Watch Prize“ (durch Abstimmung einer professionellen Jury) für die Legacy Machine N°1, und 2010 wurde die HM4 Thunderbolt zur „Best Concept and Design Watch“ gekürt. Im Jahr 2015 erhielt MB&F außerdem die Auszeichnung „Red Dot: Best of the Best“ für die HM6 Space Pirate – den Spitzenpreis der internationalen Red Dot Awards.

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