Franco Clivio heisst er. Der bekannte Produktgestalter und Systemdesigner hat Gartenwerkzeuge revolutioniert, Kugelschreiber und Füllfederhalter veredelt und Licht gesteuert. Clivio war aber nicht nur für Weltmarken wie Gardena, Lamy, Erco oder Siemens tätig, er hat über Jahrzehnten den Nachwuchs unserer Industrial Designer an der Zürcher Schule für Gestaltung ausgebildet.

Schon während seiner Lehre als Hochbauzeichner hatte Clivio kreativ anspruchsvolle Aufgaben im Auge. Mit diesem Ehrgeiz nahm er 1964 sein Studium an der Hochschule für Gestaltung in Ulm auf, die mit herausragenden Dozenten wie Hans Gugelot, Tomás Maldonado oder Gui Bonsiepe einen internationalen Ruf genoss. Dort war auch ein Dozent, der eines Tages vorgab, einen Würfel erfunden zu haben, der sich flach zusammenfalten lässt. Seine erfinderische Konstruktion wollte er aber den Studierenden nie zeigen. Umso mehr reizte es den jungen Schweizer Studenten, das Rätsel eines faltbaren Würfels selbst zu lösen. Und schon bald pröbelte er mit Metallplättchen, die er auf Buchbinderleinen klebte. Solche Erstlinge zeigt Clivio noch heute und ist stolz auf die funktionierenden Gelenke. Wonach er jedoch suchte, war ein Würfel, der nicht in sich zusammenfällt und dann auf seinen Flächen liegt.

Was ist das für ein Designer, der weniger nach neuen Formen sucht und sich mehr mit der Greifbarkeit und Verwandlung der dritten Dimension beschäftigt? Franco Clivio hat sich eben schon immer für die erfinderische Cleverness interessiert, die nutzbringendes Design auszeichnet. Schon als Lehrling begeisterte er sich für die Schweizer Schutzbrille der SUVA, die ein unbekannter Kreateur anno 1929 entworfen hat. Diese Brille ist tatsächlich aus einem einzigen Draht geformt, der alle Funktionen erfüllt und sogar die Gläser einfasst. Für Clivio ist sie ein Paradebeispiel für intelligente Produktgestaltung geblieben. Jedenfalls hat er auch das Rätsel des faltbaren Würfels mit Draht gelöst. Er habe dafür 50 Jahre gebraucht, betont er nachdenklich. Tatsächlich ist Clivio erst 2014 auf die Idee gekommen, nicht mehr von den Flächen des Würfels, sondern von den Kanten auszugehen und sie wie Träger zusammenzufügen. Dafür verwendet er Röhrchen, wie sie in der Medizin für feinste Spritzen zum Einsatz kommen. In diesen sind wiederum feinere Röhrchen eingezogen, die als Gelenke die einzelnen Drahtstücke beweglich verbinden. Flach daliegend befindet sich jedes Drahtgebilde im formalen Urzustand. Dieser lässt sich nun in verschiedenste dreidimensionale Figuren verwandeln. Mit seinem intelligenten Instrumentarium hat Clivio auch ein kunstvolles Spielzeug geschaffen – zum Verwandeln von Linien in Räume und Staunen über ihre Formen. Manifolds nennt er seine Gebilde, und mannigfaltig sind sie tatsächlich.

Als passionierter Sammler von Blüten des handwerklichen und industriellen Designs hat sich Franco Clivio mit Ausstellungen zu «No Name Design» und einem entsprechenden Buch über die Landesgrenzen hinaus längst einen Namen gemacht. Jetzt stellt der Designer seine Manifolds in einem renommierten Zürcher Auktionshaus aus. Damit will Clivio wohl kaum zum Künstler avancieren, aber ganz sicher ist ihm als musischer und feinfühliger Gestalter der Schritt in ein zweckfreies Design gelungen. Das ist an sich schon sehenswert, und weil man mit seinen Manifolds auch spielen darf, macht die Ausstellung erst noch Spass.

Vernissage 11.1.18, 18 Uhr

12.- 31. 1. 2018
Ausstellung im Auktionshaus Germann
Stockerstrasse 38, 8002 Zürich
Montag bis Freitag: 14- 18 Uhr
Finissage: 31. 1. 2018, 17 Uhr