Die Philippinen verzaubern nicht nur mit ihren paradiesischen Traumstränden, einer schillernden Unterwasserwelt, unberührter, sattgrüner Natur und aufregenden Metropolen wie Manila oder Cebu, sondern bleiben vor allem auch wegen der herzlichen Bevölkerung in Erinnerung. Hier warten über 108 Millionen Lächeln darauf, Reisende in ihrer Heimat willkommen zu heißen. Zum „International Day of Rural Women“, der am 15. Oktober 2021 gefeiert wird, sollen vor allem die Filipinas im Fokus stehen, die die Gesellschaft, die Familien und viele Unternehmen zusammenhalten – vor allem in den ländlichen Gegenden.

Apo Whang-Od: Die letzte Kalinga-Tätowiererin auf den Philippinen

Wenn es eine Person gibt, welche die reiche Kultur von Kalinga, einer Provinz im äußersten Norden der Philippinen, am besten repräsentieren kann, dann ist es Apo Whang-Od. Mit über 100 Jahren ist sie die älteste philippinische Stammestätowiererin aus dem Stamm der Butbut in Buscalan. Tätowierungen gelten hier als Zeichen von Schönheit und Eleganz. Apo Whang-Od tätowiert schon seit über 80 Jahren und ihre Kunst ist weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt: Einheimische und Touristen gleichermaßen trotzen zahlreich dem kalten Wetter und der zehnstündigen Fahrt in die Berge, nur um sich von ihr tätowieren zu lassen.

Apo Whang-Ods Tätowierungstinte besteht aus Holzkohle und Wasser. Nach dem Mischen wird sie mit dem Dorn eines Calamansi- oder Pomelo-Baumes mit der Hand tief in die Haut gestochen. Ihre Kunst gibt Apo Whang-Od nur in der eigenen Blutlinie weiter, sonst könnten sich die Tätowierungen, so besagt ihr Glaube, entzünden. Da sie nie geheiratet und keine eigenen Kinder hat, bildet sie ihre Großnichte Grace Palicas aus, um die uralte Tätowierungstradition des Stammes weiterzuführen.

Marites Jala serviert Mahlzeiten und Lächeln auf Bohol

Bohol ist die zehntgrößte Insel der Philippinen und hat weit mehr zu bieten als die berühmten Chocolate Hills. Ein weiteres Naturwunder der Insel ist der Loboc River, der sich seine Wege durch den dichten, sattgrünen Dschungel bahnt. Ein kleiner Geheimtipp für eine Stärkung zwischendurch ist das CS Village Floating Restaurant, in dem sich Gäste durch schmackhafte philippinische Gerichte schlemmen können, während sie vorbei an malerischen Nipa- und Kokospalmen, Bananenstauden, der Loctob-Quelle und den Busay-Wasserfällen treiben.

Das Herz des schwimmenden Restaurants ist Marites Jala, seit 1998 die gute Seele an Bord. Die freundliche Dame serviert hier nicht nur Mahlzeiten, sondern auch Lächeln. Marites Jala hat den Aufstieg Bohols zu einem der beliebtesten Reiseziele der Philippinen miterlebt und verwöhnte in dem Restaurant täglich über 1.000 Gäste. Bis zur Schließung der Lokalität zu Beginn der COVID-19-Pandemie. Für sie und ihre Familie eine belastende Situation, vor allem finanziell. Doch Marites Jala stellt sich den Herausforderungen der Pandemie und kümmert sich seit der Wiedereröffnung des CS Village Floating Restaurants im letzten Dezember wieder voller Leidenschaft um das kulinarische Wohl ihrer Gäste sowie um deren Gesundheit und Sicherheit. Auch wenn heute weitaus weniger Menschen ihr schwimmendes Restaurant besuchen, ihre Hoffnung und ihr Lächeln hat Marites Jala nie verloren.

Wilma Contero und die Tagoloanen-Weberinnen von Bukidnon

Wenn in Malaybalay, Bukidnon, die Sonne untergeht, wird in den Häusern der Tagoloanen-Familien ein wunderschönes und heiliges Handwerk ausgeübt: die Webkunst. Sie ist nicht nur eine wichtige Einkommensquelle für den Volksstamm, sondern vor allem auch ein kunstvoller Ausdruck ihrer Identität. Wilma Contero führt diese Tradition als Stammesälteste weiter und wahrt sie.

Für das Handwerk wird ausschließlich Sodsod verwendet, eine Grasart, deren Halme in der Regel so lang wie ein menschlicher Arm sind. Jeder Grashalm wird geerntet, in der Sonne getrocknet, gefärbt und geglättet, bevor er für das nächtliche Tagoloanen-Ritual verwendet wird. Mit bloßen Händen überkreuzen die Frauen leidenschaftlich die Fäden, bis wunderschöne Muster entstehen. Gewebt wird traditionell abends, wenn es kühler ist, weil das Gras bei starker Wärme brüchig wird. So arbeiten die Handwerkerinnen manchmal bis zum Morgengrauen.

Nicht zuletzt aufgrund dessen bedarf die Kunst des Webens Ausdauer, einer stabilen Mentalität und schließlich auch einer Menge Kreativität. Die Designs und Muster sind von der Natur inspiriert, darunter Bäume, die Sonne oder der Mond. Als Meisterweberin kreiert Wilma Contero aber auch komplizierte Muster wie Binaksan, das Schlangenhaut darstellt und eine heilende Wirkung haben soll.

Laut Lorielinda Bella Rago, einer der Gründerinnen und Organisatorinnen der „Tagoloanen Women Weavers Association“, sind die Weberinnen als Bewahrerinnen des Wissens ihres Stammes echte Stars in Malaybalay. Denn durch Frauen wie Wilma Contero wird eine Tradition am Leben erhalten, die sonst langsam in Vergessenheit geraten würde. Und wenn das kulturelle Erbe gestärkt wird, schafft dies schließlich auch Einkommen durch den Tourismus und hilft der lokalen Gemeinschaft zu wachsen. Auf diese Weise leisten unzählige philippinische Frauen tagtäglich einen unschätzbaren Beitrag zur Entwicklung des gesamten Inselstaates.