Die Zuger, Schwyzer und Luzerner Kirschbauern führen eine alte Innerschweizer-Tradition gemeinsam in eine neue Blütezeit

Kirschen waren für die Menschen am Zugersee und im Rigigebiet seit dem Spätmittelalter geschätzte Nahrungsmittel. Der Hochstamm-Kirschenanbau hat in der Region Zug-Rigi eine Jahrhunderte alte Tradition. Der Reichtum an Geschichten, gelebten Traditionen und Bräuchen wie dem „Chriesimärt“, der „Chriesigloggä“, die alljährlich die Zuger Chriesisaison eröffnet und dem darauffolgenden „Chriesisturm“, bei dem die Zuger Bevölkerung mit Leitern und Chrätten bewaffnet auf die Zuger Allmend eilte, um Chriesi zu gewinnen, zeugen noch heute davon. Seit Ende 2011 – mit der Gründung des Projektes zuger-rigi-chriesi AG, wird diese alte Tradition nun mit zeitgenössischem Wissen und modernen Techniken in die Zukunft getragen – womit die Kirschen-Tradition in den Innerschweizer Kantonen Zug, Schwyz und Luzern eine neue Blütezeit erlebt ..!

Preiszerfall und drastisch abnehmende Baumzahl

Die Aufhebung der Schutzzölle auf den Kirsch und der Exporthilfen für Verarbeitungskirschen führte zu einem Anstieg des Kirsch-Imports, zur Verdrängung grosser Mengen Schweizer Kirsch in der Nahrungsmittelindustrie und in der Folge zu einem drastischen Einbruch der Produzenten-Preise für Brenn-und Verarbeitungskirschen. In den letzten 50 Jahren sind über 80 % der Hochstammbäume in der Schweiz verschwunden.

Hochstämme sind ökologisch und landschaftlich wertvoll

Hochstamm-Bäume prägen die Landschaft und machen sie attraktiv. Denn wer freut sich nicht über Bäume in der Blütezeit? Bei wem sind Hochstammbäume nicht mit positiven Kindheitserinnerungen verbunden? Hochstammbäume sind ein ökologisch wichtiges Strukturelement in der Landwirtschaft. Vernetzt mit weiteren Elementen wie Hecken, Buntbrachen und extensiv genutzten Wiesen schaffen Sie vielseitige Lebensräume. Diese Lebensräume gehören zu den artenreichsten Mitteleuropas, in welchen bis zu 3000 verschiedene Tierarten vorkommen.

Fehlende Rentabilität von Hochstämmen

Die Bauernfamilien sehen unter den aktuellen Rahmenbedingungen in Produktion und Markt geringe Möglichkeiten, den Hochstamm-Kirschenanbau rentabel zu betreiben. Rund 60 Prozent, das sind circa 26’ 000 der bestehenden Bäume im Projektgebiet werden nicht mehr gepflegt und geerntet. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Hochstamm-Kirschbaum nach einer Fällung nicht ersetzt wird, ist gross.

Verluste für Landwirtschaft, Landschaft, Ökologie, Kultur

Mit den Bäumen verschwindet ein traditioneller Betriebszweig. Damit geht auch ein Stück gelebte Kultur in der Region Zug-Rigi verloren. Die ökologische Vielfalt und Qualität der landwirtschaftlichen Flächen sinkt, die touristische Attraktivität eben so. Der Kirschenhochstamm als Sympathieträger verschwindet schleichend aus dem Bewusstsein der Bevölkerung.

Die Vision der Innerschweizer Kirschproduzenten

Im Rahmen des Projekts zuger-rigi-chriesi AG – das Projektgebiet umfasst den ganzen Kanton Zug mit elf Gemeinden sowie neun Schwyzer und sieben Luzerner Gemeinden, produzieren die Kirschbauern in der Region hochwertige Hochstamm-Kirschen, verarbeiten diese zu einer breiten Palette an alkoholischen und nicht alkoholischen Qualitätsprodukten und vermarkten diese gemeinsam zu guten Preisen. Das Projekt wird von der zuger-rigi-chriesi AG, die im November 2011 gegründet wurde, umgesetzt. Der Hauptanteil der Aktien liegt in der Hand von Kirschenbauern. Aber auch Destillateure und Confiseure sind Aktionäre und Partner des innovativen Projektes, denn schlussendlich sind alle an hochwertigen Hochstamm-Kirschen aus der Region interessiert. Die Geschäftsstelle befindet sich in Rotkreuz. Das Gemeinschaftsprojekt ermöglicht Landwirtschaftsbetrieben damit, den Betriebszweig „Kirschen-Hochstammanbau“ wirtschaftlich zu betreiben und versorgt das lokale Gewerbe, den Detailhandel und die Gastronomie mit wertvollen Kirschen-Rohstoffen und Qualitätsprodukten mit Bezug zur Region. Attraktive Rohstoffpreise führen dazu, dass Bauernfamilien die Hochstamm-Kirschenbäume wieder pflegen, nutzen und neue Bäume pflanzen. Die Bäume leisten einen wesentlichen Beitrag zu einer schönen, intakten und ökologisch wertvollen Landschaft und bilden damit eine der Grundlagen für den blühenden Tourismus in der Region.

Die Aktivitäten im Rahmen des Regionalentwicklungsprojektes zuger-rigi-chriesi AG sind mannigfaltig und haben unter anderem zur Folge, dass 6‘000 Hochstamm-Kirschenbäume neu gepflanzt wurden, dass attraktive Chriesi-Produkte entwickelt und an möglichst vielen Orten verkauft werden und dass die tief verankerte Chriesi-Kultur und alte Bräuche wiederbelebt werden.

http://www.zuger-rigi-chriesi.ch